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Da muss sich etwas ändern24.4.2012 von Werner Otto Sirch.
09.04.2012 - Ostermontag Liebe Gemeindeglieder, gestern haben wir voller Freude die Botschaft von Jesu Auferstehung gehört. Es klingt in uns nach, dass Jesus den Tod überwunden und besiegt hat. Heute sind wir wieder auf dem Weg in den Alltag. Was bedeutet es für mich, dass Jesus dem Tod die Macht genommen hat und es trotzdem Alltag ist, dass überall um uns her gestorben wird – trotzdem gestorben wird. Wo manche unter uns trotzdem die Nähe zum Tod erfahren haben, erleben mussten was es bedeutet einen Menschen durch den Tod zu verlieren. 1. Steine sprechen Auf dem Weg durch den Friedhof sprechen Steine zu uns. Sie reden deutlich. Jeder Grabstein hat eine eindrückliche Botschaft für uns: „Lebt richtig, lebt sinnvoll, lebt wirklich und ganz, nutzt die Jahre auf der Erde, bevor ihr unter die Erde kommt, schenkt euch Liebe, solange ihr euch habt, schenkt euch Blumen, solange sie der andere noch sehen kann, sagt euch Worte der Verzeihung, solange sie der andere noch hören kann, macht Frieden mit Gott, solange noch Zeit ist.” Aber auch die Inschriften auf den Grabsteinen sprechen laut: „Hier ruht!” Dann: „Hier ruht in Gott!” Einmal heißt es: „Auf Wiedersehen!” Ein anderes Mal: „Auferstehen!” Da ist ein Stein: „Unsere Clara - verlorenes Glück!” Dort ein Kreuz: „Unser Otto - Lasset die Kindlein zu mir kommen!” Die einen schreiben: „Gekämpft, gehofft und doch verloren!” Andere: „Christus ist mein Leben und Sterben ist mein Gewinn!” Für einen Mann steht über seinem Namen: „Dem Verdienste seine Krone!” Für einen anderen: „Aus Gnaden seid ihr selig geworden!” Auf einem Grabstein das Dante-Wort: „Lass jede Hoffnung fahren.” Und auf einem anderen: „Herr, ich warte auf dein Heil!” Sehr oft kann man lesen: „Unvergessen!” Sehr selten steht: „Herr, nun lässest du deinen Diener in Frieden fahren, denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen!” Und auf vielen modernen Friedhöfen und neueren Grabsteinen steht außer dem Namen und den Lebensdaten kein einziges Wort mehr. So ist der Friedhof mit seinen Steinen ein Buch mit vielen Blättern, das uns nachdenklich und fragend macht.[1] Wir denken nach wozu wir gelebt haben. Was von uns bleiben wird. Wie es sein wird, wenn wir die Unausweichlichkeit des Todes an unserem eigenen Leben erfahren. Was wird sein, wenn unser Leben zu Ende gegangen ist, wenn wir nichts „hinüberretten“ können vom „hier“ nach „dort“. Gott hat über den Tod gesiegt, das ist unser Glaube. Trotzdem ist er weiterhin Fakt und bedroht unser Leben. Wann wird die Macht des Todes endgültig Vergangenheit sein? 2. Predigttext Im 1. Korinterbrief, im 15. Kapitel, schreibt der Apostel Paulus über den Tod und seine Macht, hören wir den Predigttext: 50 Das sage ich aber, liebe Brüder, dass Fleisch und Blut das Reich Gottes nicht ererben können; auch wird das Verwesliche nicht erben die Unverweslichkeit. 51 Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden; 52 und das plötzlich, in einem Augenblick, zur Zeit der letzten Posaune. Denn es wird die Posaune erschallen, und die Toten werden auferstehen unverweslich, und wir werden verwandelt werden. 53 Denn dies Verwesliche muss anziehen die Unverweslichkeit, und dies Sterbliche muss anziehen die Unsterblichkeit. 54 Wenn aber dies Verwesliche anziehen wird die Unverweslichkeit und dies Sterbliche anziehen wird die Unsterblichkeit, dann wird erfüllt werden das Wort, das geschrieben steht (Jesaja 25,8; Hosea 13,14): »Der Tod ist verschlungen vom Sieg. 55 Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel?« 56 Der Stachel des Todes aber ist die Sünde, die Kraft aber der Sünde ist das Gesetz. 57 Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unsern Herrn Jesus Christus! 58 Darum, meine lieben Brüder, seid fest, unerschütterlich und nehmt immer zu in dem Werk des Herrn, weil ihr wisst, dass eure Arbeit nicht vergeblich ist in dem Herrn. 3. Fleisch und Blut können Gottes Reich nicht erben Paulus sagt es deutlich, dass Fleisch und Blut das Reich Gottes nicht ererben können; auch wird das Verwesliche nicht erben die Unverweslichkeit. Die Ewigkeit ist nicht der Ort, wo wir durch unsere „Auferstehung“ die Wiederherstellung des vom Tode leider zerstörten und abgebrochenen Lebens erwarten dürfen. Die Vergänglichkeit wird nicht die Unvergänglichkeit erben. Für unsere eigene Klarheit in dieser Sache ist das wichtig! Es geht nach unserem Sterben dort in der Ewigkeit nicht so weiter wie es hier war. Das Auferstehungsleben ist nicht die Fortsetzung des irdischen Daseins in alle Ewigkeit, wo wir in aller Behaglichkeit unsere irdischen Lebensgewohnheiten bewahren können, an denen wir hängen. Für mich wäre es ein schrecklicher Gedanke, wenn wir mit unserem jetzigen Wesen und mit unserem jetzigen Denken in alle Ewigkeit so weitermachen könnten. Unser Ichwesen, das keinen Platz für Mitmenschen hat und schon gar keinen Platz für Gott. Für mich wäre das nicht das ersehnte Paradies, sondern eher die Hölle. Da muss sich etwas ändern, in unserem Wesen ändern, hier und heute, damit wir in die Lage kommen, Gottes Reich zu erben. Gottes Reich, wo Gott regiert und „alles in allem“ ist. 4. Plötzlich verwandelt werden Wir müssen verwandelt werden. So wie man ein neues Kleid über ein altes, zerrissenes und schmutziges Gewand zieht. So wie man früher dem Neugetauften nach seiner Taufe ein sauberes weißes Kleid übergezogen hat, zum Zeichen seiner neuen Geburt. Gottes Heiliger Geist kann diese Änderung in unserem Wesen schaffen. Er will und kann uns verändern, wenn wir es zulassen. Er kann uns so verändern, dass wir Gotte als unseren Schöpfer anerkennen und ihm vertrauen und seine Nähe und Gegenwart suchen. Es ist ein Geheimnis. Kein Geheimnis über das man nicht spricht. Es ist ein Geheimnis, das hinaus will zu den anderen. Ein Geheimnis, das geheimnisvoll ist und bleibt, auch wenn man es zu erklären versucht. Alle werden verwandelt werden: die Verstorbenen und die, zu dem Zeitpunkt noch Lebenden. Alle werden in einem Augenblick verwandelt werden, dann, wenn Christus wiederkommt, denn „Fleisch und Blut“, unser alter Mensch, der nach den Regeln und dem Denken der Welt lebt, kann Gottes Reich nicht erben. Es wird die Posaune erschallen, und die Toten werden auferstehen unverweslich, und wir werden verwandelt werden. 5. Das Kleid der Unsterblichkeit Es gibt keine Wiederherstellung des früheren Leibes, mit dem wir andere Personen identifizieren können. Es gibt keine langsame Entwicklung des alten ich, zu einem vollkommenen neuen. Alle müssen verwandelt werden, wenn die Posaune ertönt. Keiner kann so wie er ist an der Gemeinschaft derer, die durch Christus erlöst sind teilhaben. 53 Denn dies Verwesliche muss anziehen die Unverweslichkeit, und dies Sterbliche muss anziehen die Unsterblichkeit. Wir dürfen schon heute Menschen sein, die ihr fleischliches Wesen Jesus übergeben haben und damit Kinder des Vaters im Himmel geworden sind. 6. Der Tod ist der Sünde Sold Das Verwesliche, das Sterbliche, hat seine Ursache in der Sünde, die der Stachel des Todes ist. Die Sünde ist das Machtinstrument der Herrschaft und der Macht des Todes. Sünde, so wissen wir aus dem Alten Testament, ist die zum Menschen gehörende Neigung, wie Gott sein zu wollen und zu wissen was gut und böse ist.[2] Das ist Sünde, und das Gesetz ist ihr Helfershelfer, sich selbst an die Stelle Gottes zu setzen und sein ganzes menschliches Denken, Fühlen und Handeln seinem Ideal von Größe und Macht zu unterwerfen. Der Starke, der sich die Macht nimmt und nach seinen Gesetzen herrscht. Ihr wahres Wesen zeigt die Sünde am Kreuz Jesu: „Bist du der Christus, so zeige deine Macht und steige herab vom Kreuz,“[3] so schreit die Sünde, die vom Gottessohn Machterweise fordert. Ein leidensfähiger, ohnmächtig liebender, auf Macht und Herrschaft verzichtender Mensch provoziert den auf göttliche Allmachtsattribute fixierten Menschen derart, dass er diesen Menschen, Jesus, umbringt – so ist der Tod der Sünde Sold. Und wenn es nach der Sünde des Menschen ginge, würde der Tod zuletzt das ganze Leben beherrschen: der Tod will „alles in allem“ werden. 6. Christus macht dem Tod die Herrschaft streitig 57 Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unsern Herrn Jesus Christus! In Christus geriet der Tod an Gott selbst, der ihm allerdings die Herrschaft streitig macht., so dass nicht der Tod, sondern Gott „alles in allem“ ist. Das schenkt uns neue Lebensmöglichkeiten: 7. In Gott sein Der Glaube an das ewige Leben, den wir durch die Auferstehung Jesu bekennen, ist die Gewissheit, dass mein Leben, das im Tod unwiderruflich zu Ende ist, mit diesem Tod nicht im Nichts, sondern in Gott sein wird. Bei der Begleitung Sterbender können wir beobachten, dass viele von der Hoffnung auf Rettung bestimmt sind. Das Rettende kann aber nicht irgend etwas völlig beliebiges sein. Durch Jesus, dem Auferstandenen, wird das Leben in alle Ewigkeit gerettet und geheilt werden. Durch ihn wissen wir: Wenn Gott sein wird alles in allem, dann wird das – wie auch immer – die Wirklichkeit der Liebe sein. In dieser Liebe Gottes werden wir in Ewigkeit geborgen sein. Bei Reiner Maria Rilke lesen wir: [1] Das große Axel Kühner Textarchiv Nr. 656 [2] 1. Mose 3,5 [3] Markus 15,32 Geschrieben in Uncategorized | Keine Kommentare » Dass ich mit den Müden zur rechten Zeit rede23.4.2012 von Werner Otto Sirch.
01.04.2012 4 Gott der HERR hat mir eine Zunge gegeben, wie sie Jünger haben, dass ich wisse, Liebe Gemeindeglieder, 1. Einer meiner Lieblingsverse Haben Sie, liebe Schwestern und Brüder, einen Lieblingsvers aus der Bibel? Ein Vers, der Ein anderer Vers, den ich in meiner Bibel dick mit roter Farbe markiert habe, ist Teil Ein Wort, das mir in meinem Amt als Diakon oft ganz nahe gekommen ist. Vor allem dann, 2. Zur rechten Zeit Reden kann man viel. Ich meine damit nicht die oberflächlichen und unwichtigen Gespräche, 3. Er weckt mir das Ohr Jesaja weiß, er kann nicht reden, ohne dass Gott ihm das Ohr geöffnet hat. Bevor er Wie geht es uns mit dem Gedanken, dass Gott uns am Morgen weckt und uns das Ohr öffnet? Aber da sind auch noch andere Stimmen. Unsere eigene Stimme am Morgen, wenn wir Wie beginnen wir solch einen Tag? Mit freundlichen Worten des Dankes an Gott? Mit einem Des Morgens, wenn du aufstehst, Das walte Darauf kniend oder stehend das Glaubensbekenntnis und das Vaterunser. Es ist ein anderer Tag der so beginnt, der die Nähe Gottes sucht und sich so unter Alle Morgen weckt er mir das Ohr, dass ich höre, wie Jünger hören. Auf Gottes Stimme hören. Viele wünschen sich diese Begabung, sind aber meist nicht 4. Die Stimme des Leidenden Liebe Gemeinde, lasst uns in unserem Text einen Schritt weitergehen und auf den Ich bot meinen Rücken dar denen, die Es ist die Stimme des leidenden Propheten, der die Erfahrung macht, dass das Leid Der Gottesknecht Jesaja ist dagegen überzeugt, dass Gott ihm Recht gibt, ja dass er Das ist für uns, liebe Gemeinde, oft schwer anzunehmen. Und so glauben viele Christen, Darum hab ich mein Angesicht hart gemacht wie einen Kieselstein; denn 5. Gott der Herr hilft mir Er ist nahe, der mich gerecht spricht; wer will mit mir rechten? Lasst uns Wir hören einen Menschen in diesen Worten des Jesajatextes. Er hat einiges mitgemacht. Auch uns kann im Leid diese große Kraft aufscheinen: Wenn es uns Wenn wir dem folgen was wir gehört und wahrgenommen haben; wenn wir diesem Weg
In unserem Leid kann diese große Kraft aufscheinen, wenn wir darauf vertrauen, dass Gott Geschrieben in Uncategorized | Keine Kommentare » Drinnen und draußen - Abschiedspredigt vom 18.9.201122.9.2011 von Werner Otto Sirch.
Predigt 31 Und es kamen seine Mutter und seine Brüder und standen draußen, schickten zu ihm Liebe Gemeindeglieder, die einen sind drinnen und die anderen sind draußen. So ist Es hat sich rumgesprochen. Man will es sehen, miterleben, Maria, der Mutter Jesu und seinen Brüdern war das, was über Das Volk war nicht aufzuhalten und drängte weiter in das Wo gehen wir hin, um angerührt zu werden, um Heilung unseres Es sind aber auch einige drinnen, die rausgehen, angewidert Die einen sind drinnen und die anderen sind draußen. Die Nichts verlangt Jesus von denen, die im Kreis um ihn sitzen. Manchmal hätte ich mir gewünscht, dass mehr da sind, um sich Und da sind die, die draußen sind und gar nicht reinwollen: Maria und den Brüdern Jesu fällt es schwer zu glauben, dass Die draußen sind, sehen in unserer Zeit in Jesus auch oft Es ist eine „verrückte“ Botschaft, die Jesus hat. Eine Es war meine Aufgabe und es bleibt meine Lebensaufgabe, den Die einen sind drinnen, und die anderen sind draußen. Ich Für mich hat drinnen sein und draußen sein, in den Tagen des Viele Jahre war ich drinnen. Begonnen hat es, nach meiner In ein paar Tagen, wenn ich mein Büro geräumt habe, gebe ich Noch ein paar persönliche Worte. Ich durfte in all den Jahren und in den verschiedensten Ich bin Gott dankbar für Cristin, die mit viel Glauben und Wer Gottes Willen tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter. Geschrieben in Uncategorized | Keine Kommentare » Du bist ein heiliges Volk29.7.2011 von Werner Otto Sirch.
31.7.2011 6 Denn du bist ein heiliges Volk dem HERRN, deinem Gott. Dich hat der HERR, dein Gott, erwählt zum Volk des Eigentums aus allen Völkern, die auf Erden sind. 7 Nicht hat euch der HERR angenommen und euch erwählt, weil ihr größer wäret als alle Völker - denn du bist das kleinste unter allen Völkern -, 8 sondern weil er euch geliebt hat und damit er seinen Eid hielte, den er euren Vätern geschworen hat. Darum hat er euch herausgeführt mit mächtiger Hand und hat dich erlöst von der Knechtschaft, aus der Hand des Pharao, des Königs von Ägypten. 9 So sollst du nun wissen, dass der HERR, dein Gott, allein Gott ist, der treue Gott, der den Bund und die Barmherzigkeit bis ins tausendste Glied hält denen, die ihn lieben und seine Gebote halten, 10 und vergilt ins Angesicht denen, die ihn hassen, und bringt sie um und säumt nicht, zu vergelten ins Angesicht denen, die ihn hassen. 11 So halte nun die Gebote und Gesetze und Rechte, die ich dir heute gebiete, dass du danach tust. 12 Und wenn ihr diese Rechte hört und sie haltet und danach tut, so wird der HERR, dein Gott, auch halten den Bund und die Barmherzigkeit, wie er deinen Vätern geschworen hat. Liebe Gemeindeglieder, Botschaften in diesen Tagen bekomme ich nicht aus dem Kopf, was an dem schwarzen Freitag vor einer Woche in Oslo geschehen ist. Anders Breivik, ein rechtsradikaler, religiöser Fundamentalist, der zuerst im Osloer Regierungsviertel bombt und dabei sieben Menschen tötet, anschließend auf der Ferieninsel Utøya gnadenlos ein Blutbad anrichtet und dabei 69 Menschen, meist Jugendliche, mit sichtbarer Freude erschießt. Sein zynischer Kommentar dazu: „brutal aber es musste sein“. „Brutal, aber es musste sein“, das ist die Botschaft eines Mannes, der sich keiner Schuld bewusst scheint, der nach eigenen Angaben, angeblich nichts anderes wollte als sein Volk und Europa gegen den Islam zu verteidigen. Ganz anders heute die Botschaft unseres Gottes an uns: „Du bist ein heiliges Volk dem HERRN, deinem Gott. Dich hat der HERR , dein Gott erwählt zum Volk des Eigentums aus allen Völkern, die auf Erden sind.“ Welch ein Kontrast! Du bist eine heiliges Volk, so spricht Gott zu seinem Volk. Das ist die Sprache Gottes: Israel, sein Volk, ein heiliges Volk. Heilig ist was Gott gehört. Israel gehört Gott. Und wir, die Christen, wem gehören wir? Wie spricht Gott über uns? Erwählt Vorhin haben wir im Glaubensbekenntnis bekannt: Ich glaube an die heilige, christliche Kirche, die Gemeinschaft der Heiligen … Wer sind die Heiligen, an die wir glauben? Wer sind diese besonderen Menschen, von denen wir bekennen, dass sie Heilige sind? Heilig ist, was Gott gehört. Israel gehört Gott, es ist sein Volk, von ihm erwählt und damit ein heiliges Volk. Liebe Gemeinde, Gott hat auch uns erwählt. Er hat durch Christus seinen Gnadenbund mit uns aufgerichtet. In der Taufe hat er mit uns einen Bund geschlossen, den Taufbund, den Gnadenbund. Durch die Taufe auf den dreieinigen Gott gehören wir zum Volk Gottes, zur Gemeinschaft der Heiligen. Wenn ich von der Kanzel nach unten sehe, dann sehe ich Heilige sitzen, alles Menschen die zu Gott gehören. Hier sitzen Menschen, die durch ihre Taufe Gottes Kind geworden sind, ihm gehören, denen Gott zum Vater geworden ist. Gottes Volk ist ein heiliges Volk, das Volk, das er erwählt hat. Durch Christus hat Gott auch uns zu seinem Volk erwählt. Wir haben uns das nicht verdient. Es ist Gott, der uns dazu berufen hat Teil seines heiligen Volkes zu sein. Leid an Israel Israel, das als Volk zum Eigentum Gottes berufen ist, wurde durch Christen, die sich als Erben des Volk Gottes verstehen, viel Leid angetan. Denn diese „Erben“ meinen, aus ihrer Gotteskindschaft das Recht ableiten zu können, als die wahren Erben des Reiches Gottes, Israel zu verfolgen und ihm böses zu tun. Der Holocaust ist das schrecklichste Beispiel solch christlicher Vermessenheit. Israel ist und bleibt das erwählte Volk Gottes. Wir Christen sind ein eingepfropfter Ast im Stamm des Volkes Gottes und gehören deshalb dazu. Es ist Irrtum zu meinen, dass Israel durch die Ablehnung des Christus seine Erwählung verloren hat, welche dadurch auf das Volk der Christen übergegangen ist. Wie gesagt ein schlimmer Irrtum, der Israel schon viel Leid zugefügt hat. Erwählung als Verpflichtung Dass Gott uns als seine Kinder erwählt hat, ist Gottes Liebestat. Gott zeigt uns damit seine Liebe und seine Zuwendung. Diese Erwählung ist aber zugleich auch Verpflichtung. Gott verpflichtet sich seinen Bund mit uns unverbrüchlich zu halten. Sein Vaterherz ist nicht so wankelmütig wie unser Herz. Seine Liebe zu uns gilt für alle Zeit. Diese Verpflichtung, die Gott aus Liebe zu uns eingeht, verlangt Antwort. Unsere Antwort auf diese Liebestat Gottes kann wiederum nur Liebe sein. Liebe zu ihm, zu Gott, und Liebe zu den Menschen. Aber auch unsere Verpflichtung zum Halten der Gebote und die Verpflichtung, sich um unsere Beziehung zu Gott zu kümmern. Den lieben Gott „einen guten Mann“ sein lassen, seinen eigenen Weg gehen und seine Gebote zu ignorieren, das ist nicht der Weg, der Gottes Erwählung und die daraus erwachsende Verpflichtung ernst nimmt. Und noch was: Erwählung kann nicht Anlass zur Überheblichkeit sein. Wir dürfen nicht meinen, dass wir, als die Erwählten und Heiligen Gottes, etwas besseres sind. Gott hat das erwählt was arm und elend ist, nicht sie Stolzen und Hochmütigen. Es ist nicht unsere Aufgabe anderen den rechten und richtigen Glauben abzusprechen. So wie es auch kein Weg ist, im religiösen Fanatismus andere umzubringen, weil wir meinen eine Beleidigung Gottes rächen zu müssen, oder wie in Oslo geschehen, unser Land gegen Andersgläubige mit dem Schießeisen und einem Massenmord verteidigen zu wollen. Unsere Verpflichtung als Gottes Kinder weist uns auf das, was arm und elend ist. Unsere Liebe zu ihnen ist der Zeigefinger, der auf unseren Gott hinweist. Liebe und Barmherzigkeit ist das erste und letzte Wort unseres Gottes. Das haben die Menschen in Oslo und in ganz Norwegen begriffen: Das Zusammenstehen der Menschen, die Nähe zu einander, die oft genug in ein gemeinsames Gebet mündet, das ist die heilende Kraft, in solch schrecklicher Stunde und den darauffolgenden Tagen und Wochen der Trauer. 100.000 Menschen sind mit Rosen in Händen zusammengekommen um gemeinsam zu weinen und zu trauern um ihre Lieben. Sie haben sich Nähe und die Gemeinschaft der Trauernden geschenkt. Durch diese Gemeinschaft wissen sich die Menschen verbunden in ihrem Volk, im streben nach Freiheit und Demokratie und gegen Hass und Rache. Gottes Volk hat die Kraft in solch unverständlichen und nicht begreifbaren Ereignissen anders reagieren als mit Hass und Rache. Der Hass vergiftet die Seele und Rache schafft nur neue Tränen, die nie enden, weil Rache nach Rache ruft. Gottes Berufung Gott hat uns nicht nur zu seinem heiligen Volk berufen, sondern auch dazu, dass wir unseren Feind lieben. Die Rache dürfen wir IHM überlassen. Das oft falsch verstandene „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ ist keine Aufforderung, die Dinge in die Hand zu nehmen und dem Täter das Gleiche zu tun. Es ist eine Begrenzung, die uns Jesus mit deutlichen Worten auslegt: „Ihr habt gehört, daß gesagt ist (2. Mose 21,24): »Auge um Auge, Zahn um Zahn.« Ich aber sage euch, daß ihr nicht widerstreben sollt dem Übel, sondern: wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar. Liebt eure Feinde, segnet, die euch fluchen, tut wohl denen, die euch hassen, und bittet für die, die euch beleidigen und verfolgen« damit ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel. Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.“[1] Noch ist in Norwegen nicht die Zeit des Vergebens. Jetzt ist die Zeit des Trauerns, Zeit der Wut auf den „Verrückten“ und auf Gott, der so etwas zugelassen hat. Es ist die Zeit um zu versuchen zu verstehen, was nicht verstanden werden kann. Die Zeit zur Vergebung wird kommen. Es wird ein harter Weg sein, ein Weg mit vielen Tränen. Der Glaube, dass Gott seinen Weg auch mit christlichen Fundamentalisten, Rechtsradikalen und Massenmördern geht, wird stark machen. Das Wissen, dass er auch mit solchen Menschen zum Ziel kommt, kann ihm die Rache überlassen. Wenn Anders Breivik aufwacht Ich mache mir Gedanken was sein wird, wenn Anders Breivik aus seinem Wahn aufwacht und zu begreifen beginnt, was er an jenem für Norwegen so schwarzen Freitag angerichtet hat. Was wird sein, wenn er sich seiner Schuld bewusst wird? Wenn ihm bewusst wird, dass er das nicht mehr wiedergutmachen kann. Dann wird er Menschen brauchen, die ihm zur Seite sind, damit ihn das nicht umbringt, was er so vielen anderen angetan hat. Er wird die Liebe Gottes brauchen, um wie Kain weiterleben zu können. Liebe und Barmherzigkeit ist das erste und das letzte Wort Gottes. Amen.
[1] Mt 5, 38-39.44b-45 Geschrieben in Uncategorized | Keine Kommentare » Alles hat seine Zeit - Gedanken zum Ruhestand21.7.2011 von Werner Otto Sirch.
Ein Lebensabschnitt geht zu Ende – ein neuer beginnt. Mit dem Monat September ist zu Ende, was am 1. Oktober 1967 mit einem Praktikum im Evangelischen Kinderheim in Augsburg begann. Kurz zuvor war ich als „Anwärter“ in die Rummelsberger Brüderschaft eingetreten. Dann, nach fast sechsjähriger Ausbildung, mein erster Dienst als Diakon in Buckenhof bei Erlangen - wieder als Erzieher in einem Kinderheim. Mein weiterer Berufsweg führte mich in die Gemeindearbeit und Kirchenmusik nach Lohr a. Main und Augsburg. Es folgte ein kurzer Ausflug in die Diakonie zum Hasenbergl in München, anschließend als Gemeindeseelsorger in das Diakoniedorf Herzogsägmühle in Peiting. Seit September 2003 bin Gemeindediakon hier St. Paul in Fürth. So schließt meine „Rundreise“ durch Bayern wieder in Mittelfranken. Wohin mich die weiteren Wege führen werden, wo ich zusammen mit meiner Ehefrau Cristin meinen Ruhestand verbringen werde, ist noch offen und hängt von den beruflichen Möglichkeiten meiner Frau ab. Wenn ich in Gedanken die Zeit hier in St. Paul an mir vorüberziehen lasse, dann begleiten mich neben vielem anderen drei Bilder, die sich in meine Seele eingebrannt haben. Das erste Bild führt zum Vorstellungsgespräch beim damaligen 1. Pfarrer von St. Paul Wolfgang Bruder. Auf meine Frage, wie die Gemeinde ist, die mich erwartet, sprach er zwei Worte: „Total zerstritten“. Ich durfte später erleben, was er damit meinte. Aber wenig später – und damit bin ich bei meinem zweiten Bild – war dieser denkwürdige Abend im Martin-Luther-Heim, bei der Gemeindeversammlung der Jungen Gemeinde (JG), wo viele Tränen flossen über all den Streit und die Auseinandersetzungen der vergangenen Jahre. An diesem Abend fühlte ich den Geist Gottes in unserer Gemeinde wehen und es kam tatsächlich zu einem anderen Miteinander der Gemeinde. Dank sei Gott! Das dritte Bild ist der Verlust meiner Gisela. Die schlimme Zeit nach ihrer Herzoperation mit all den Komplikationen, das Wunder ihrer Genesung und dann doch ihr unerwarteter und schneller Tod. Ich habe lange gebraucht, bis ich dieses schreckliche Jahr 2008 einigermaßen verdauen und mich erholen konnte. Viel geholfen haben mir dabei meine jetzige Ehefrau Cristin und meine beiden Kollegen Ute Lehnes-de Fallois und Martin Adel – und Sie, liebe Gemeindeglieder von St. Paul, die mich mit ihren Gebeten durch diese schwere Zeit und danach hindurchgetragen haben. Ich bin von Herzen dankbar dafür! Nun geht meine Zeit in St. Paul zu Ende. Ich denke auch an die vielen schönen Gottesdienste, die ich feiern durfte, an die vielen Gespräche mit alten Menschen und Trauernden, an die jungen Menschen, die ich auf dem ‚Weg zu ihrer Konfirmation begleiten konnte. Es sind gute Erinnerungen. Ich bitte um Verzeihung wo ich etwas schuldig geblieben bin und Erwartungen nicht erfüllen konnte. Besonders bedaure ich, dass ich nicht mehr während meiner Dienstzeit die Einweihung des neuen Gemeindehauses miterleben kann – vielleicht aber die Fertigstellung des Rohbaus. Gott möge unsere Gemeinde segnen, den Kirchenvorstand und alle, die für sie Verantwortung tragen – auch meinen Nachfolger, der im Oktober seinen Dienst beginnen wird. Geschrieben in Uncategorized | Keine Kommentare » Die Wüste weint21.7.2011 von Werner Otto Sirch.
Ansprache zum Beichtgottesdienst vor der Konfirmation 2011 Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, eine alte Geschichte aus Nordafrika erzählt von einem Beduinen, der sich immer wieder der Länge nach auf den Boden legt und sein Ohr in den Wüstensand drückt. Stundenlang horcht er in die Erde hinein. Verwundert fragt ihn ein Missionar: „Was machst du da eigentlich auf der Erde?” Der Beduine erhebt sich und antwortet: „Freund, ich horche, wie die Wüste weint, sie möchte so gerne ein Garten sein!” Wenn wir, wie der Beduine, stille werden, unsere Ohren auftun, nach innen richten, dann können auch wir die Wüste weinen hören. Die Wüste in uns, weil wir ein blühender Garten sein möchten. Die Wüste der Einsamkeit in uns weint, weil wir so gerne ein Garten der Begegnung sein möchten. Die Wüste der Ungeduld weint, weil sie so gerne ein Ort der Ruhe und der Langmut sein möchte. Die Wüste aus Verzweiflung weint, sie möchte so gerne ein Garten der Hoffnung sein. Die Wüste der Schuld weint, sie möchte so gerne ein Garten der Vergebung sein. Die Wüste des Sterbens weint, sie möchte so gerne ein Garten des neuen Lebens sein. Wenn wir mutig sind, uns trauen hinzuschauen und hinzuhören, dann können wir viel Wüste in uns entdecken. Zeiten, wo wir kein blühender Garten sind, oft nur mit uns selbst beschäftigt. Zeiten, in denen uns nur wenig zu gelingen scheint. Zeiten in denen wir uns innerlich ausgetrocknet fühlen. Diese Wüstenzeiten ängstigen und blockieren uns. Wir leiden, spüren das Trostlose, das Unfruchtbare in uns. Eigentlich möchten wir doch ganz anders sein: Ein bunter blühender Garten, an dem wir und andere sich erfreuen können. Ein fruchtbarer Garten, so wie ihn sein Schöpfer gedacht und wunderbar gemacht hat. Er hat ihn mit so vielen Gaben und Begabungen ausgestattet. Liebe Konfirmandinnen und liebe Konfirmanden, liebe Eltern und Paten, liebe Gäste und Gemeindeglieder, ihr seid solch ein wunderbarer, von Gott erdachter Garten. Nein, bestimmt keine Wüste. Ihr habt Begabungen und Fähigkeiten mitbekommen, mit denen ihr wuchern dürft. Und ich denke, dass in euch noch viel mehr an Wunderbarem schlummert, verborgen, unerkannt, jetzt noch gar nicht zu sehen. Vieles, das sich in den nächsten Jahren noch entwickeln wird. Wunderbar seid ihr, von Gott erdacht und gemacht. Da ist aber auch Wüste in uns, das, was Leben in Gefahr bringt, das, was unser Leben oft so fruchtlos und freudlos macht. Wüste, die uns innerlich verbrennt und vertrocknen lässt und vom Leben wegbringt. Wir fühlen das, es macht uns unruhig und unglücklich, denn eigentlich sehnen wir uns danach ein blühender Garten zu sein, in dem es wächst und gedeiht. Ein blühender Garten, der uns Freude schenkt, der uns die Erfahrung machen lässt, geliebt und angenommen zu sein. Und so sind wir auf der Suche. Oft ganz unbewusst. Wir suchen, den blühenden Garten: die Ruhe, den Frieden, die Freude, die Anerkennung, das Angenommensein. Kurz gesagt: Das, was meinem Leben Halt und Glück schenkt. Aber wo sollen wir suchen? Es gibt so viele Angebote, die uns locken, die ihre Hände nach uns ausstrecken. - Viele geben auf, weil sie nicht finden, leben so weiter – unglücklich, mit der großer Sehnsucht im Herzen nach dem, den wir Vater nennen dürfen – den Gott mit den vielen Namen. Den Gott, den wir im Konfirmandenunterricht immer wieder miteinander gesucht haben: den Gott der Barmherzigkeit, den liebenden, geduldigen, vergebenden Gott. Den Gott der uns bei unserem Namen gerufen hat und dessen Kind wir durch die Taufe geworden sind. Es ist der Gott, der unsere Lebens-Wüste mit neuem Leben erfüllen kann. Er, der Liebhaber des Lebens, der uns dazu verhelfen will, dass wir leben, richtig leben. Der Gott, der nicht will, dass sich die Wüste in uns ausbreitet und bestimmend wird. Dieser barmherzige, liebende, geduldige und vergebende Gott lädt uns heute zu sich ein: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken“. Bei ihm dürfen wir die Wüste in uns lassen, damit Fruchtbares wachsen kann. Wenn es in der Wüste regnet, dann wird daraus ein grünender und blühender Garten. Und so will das, was wir nachher in der Beichte und im Abendmahl mit einander tun, eine Einladung Gottes sein – ein warmer Regenguss in der Wüste. Wasser für eine verdurstende Seele. „Ich will heute bei dir einkehren“, sagt Jesus zum Zöllner Zachäus. Er macht ihm keine Vorwürfe, lehnt ihn nicht ab, trotz allem was er in seinem Leben falsch gemacht und verbrochen hat. Jesus lädt sich bei ihm ein, kommt ihm, dem Sünder, nahe. Heute lädt sich Jesus auch bei uns ein. In der Beichte und im Heiligen Abendmahl will er bei uns einkehren, damit wir Vergebung erfahren. Wir dürfen das loslassen was uns belastet und quält. Wir dürfen neu anfangen – mit ihm. „Freund, ich horche, wie die Wüste weint, sie möchte so gerne ein Garten sein!” das war die Antwort des Beduinen. Hören wir doch die Tränen der Wüste in uns – sie möchte so gerne ein Garten sein. Amen. Geschrieben in Uncategorized | Keine Kommentare » ES ist der Herr21.7.2011 von Werner Otto Sirch.
Predigt am Sonntag Quasimodogeniti Johannes 21, 1-14 Liebe Gemeindeglieder, 1. In dieser Nacht fingen sie nichts „In dieser Nacht fingen sie nichts!“ Petrus und einige der Jünger waren nicht in Jerusalem geblieben wie die anderen Jünger, sondern zurück in ihre Heimat gegangen, an den See Tiberias. Dort gingen sie wieder ihrem Beruf als Fischer nach, nachdem die Geschichte mit Jesus vorüber war. Jesus gekreuzigt, gestorben, begraben. Petrus erinnert sich immer wieder daran, wie ihn die Frauen erschreckten. Sie hatten eigenartige Geschichten erzählt, dass das Grab leer sei und ihnen Jesus begegnet war. Schnell war er zum Grab gelaufen und welch ein Schreck: Es war leer. Warum, weshalb, wie konnte das sein – Jesus war doch tot, richtig tot. Die Gedanken drehten sich in seinem Kopf – er konnte nicht verstehen. Aber Fische fangen, das konnte er noch, das war doch sein Beruf. Und dann das: Die ganze Nacht war er mit den anderen draußen auf dem See und sie hatten keinen einzigen Fisch gefangen. Es erinnerte ihn an damals, als ihm Jesus zum ersten Mal begegnet war. Da war er auch die ganze Nacht auf dem See und hatte nichts gefangen. Die Erinnerung daran schmerzte Petrus. Wenn Jesus jetzt hier wäre, dann könnte es wieder so sein wie damals, als sie, weil ER es gesagt hatte, am helllichten Tag nochmal hinausfuhren, obwohl jeder Fischer weiß: kein Fisch geht da ins Netz. Aber sie fingen so viele Fische, dass die Netze zerrissen. Ja, Jesus müsste da sein. Aber das ist vorbei. Endgültig vorbei – Jesus ist tot und sein Leichnam geklaut oder sonst was. Hören wir die Geschichte, die unser Predigttext erzählt. Er steht bei Johannes im 21. Kapitel: 2. Text Jesus offenbarte sich abermals den Jüngern am See Tiberias. Er offenbarte sich aber so: 2 Es waren beieinander Simon Petrus und Thomas, der Zwilling genannt wird, und Nathanael aus Kana in Galiläa und die Söhne des Zebedäus und zwei andere seiner Jünger. 3 Spricht Simon Petrus zu ihnen: Ich will fischen gehen. Sie sprechen zu ihm: So wollen wir mit dir gehen. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot, und in dieser Nacht fingen sie nichts. 4 Als es aber schon Morgen war, stand Jesus am Ufer, aber die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war. 5 Spricht Jesus zu ihnen: Kinder, habt ihr nichts zu essen? Sie antworteten ihm: Nein. 6 Er aber sprach zu ihnen: Werft das Netz aus zur Rechten des Bootes, so werdet ihr finden. Da warfen sie es aus und konnten’s nicht mehr ziehen wegen der Menge der Fische. 7 Da spricht der Jünger, den Jesus liebhatte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte, dass es der Herr war, gürtete er sich das Obergewand um, denn er war nackt, und warf sich ins Wasser. 8 Die andern Jünger aber kamen mit dem Boot, denn sie waren nicht fern vom Land, nur etwa zweihundert Ellen, und zogen das Netz mit den Fischen. 9 Als sie nun ans Land stiegen, sahen sie ein Kohlenfeuer und Fische darauf und Brot. 10 Spricht Jesus zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr jetzt gefangen habt! 11 Simon Petrus stieg hinein und zog das Netz an Land, voll großer Fische, hundertdreiundfünfzig. Und obwohl es so viele waren, zerriss doch das Netz nicht. „Habt ihr nichts zu essen?“ Seltsame Frage des Fremden, der am Ufer steht und sieht, dass sie nichts gefangen haben. Beiläufig und einsilbig ist ihre Antwort, ohne ihn weiter zu beachten: „Nein!“ Sie sind ohne einen einzigen Fisch zurückgekommen. Aber der Fremde lässt sich nicht beirren: „Werft das Netz aus zur Rechten des Bootes, so werdet ihr finden.“ Und es wiederholt sich, was Petrus schon einmal erlebt hat – damals: „Da warfen sie das Netz aus und konnten’s nicht mehr ziehen wegen der Menge der Fische“. Johannes, der Lieblingsjünger Jesu, begreift als erster was hier geschieht und wer der ist, den sie kaum beachtet hatten: „Es ist der Herr!“ 3. Es ist der Herr Liebe Schwestern und Brüder, auch heute ist uns Jesus oft ganz nahe und wir erkennen ihn nicht. Vielleicht sind wir auch zu beiläufig und in gewisser Weise einsilbig. Verwundert und erstaunt denken wir vielleicht an unseren Schutzengel, meinen „Glück gehabt“, können uns nicht erklären was geschehen ist und sprechen vom Zufall. Aber ER war da, er, der Herr! Und er ist uns nahe in unserem Nächsten, der allein nicht mehr weiterkommt; Menschen an seiner Seite braucht, die sich seiner annehmen. „Es ist der Herr“, der sich erbarmt und nicht nur zuschaut. „Es ist der Herr“, der unsere Hände braucht als seine Hände, der unsere Liebe und unser Erbarmen braucht, als seine Liebe und sein Erbarmen. „Es ist der Herr“, der uns nahe kommt in einem Menschen, an dem wir nichts mehr menschliches und menschenwürdiges erkennen können. Menschen, vor denen wir uns ekeln, Menschen, die voller Bosheit und Gewalt sind, Menschen, betrunken, voller Gier, getrieben von Sucht, gefangen in ihrem Elend. „Es ist der Herr“, der uns in ihnen begegnet. 4. Das Netz reißt nicht, es hält Als Petrus klar wird, dass es der Herr ist, den er verleugnet hat, ja geschworen hat, ihn nicht zu kennen, da hält ihn nichts mehr zurück. Er muss hin zu ihm – und zwar so schnell als möglich. Es brennt in seinem Herzen. Er zieht sein faltiges Obergewand an, das umgelegt und mit einem Gürtel zusammengehalten wurde, denn er wollte nicht mit nacktem Oberkörper vor seinen Herrn treten. Dann springt er ins Wasser, obwohl das Schiff schon fast das Land erreicht hatte und watet so schnell es geht ans Ufer zu Jesus. Dort, bei ihm, ist der Ort für sein schlechtes Gewissen, die Not seiner Seele. Inzwischen ist auch das Boot mit den anderen Jüngern und dem Netz voller großer Fische an Land. Es waren 153. Sie hatten einen reichen Fang gemacht. Welch ein Überfluss, vielleicht aber auch Zeichen, dass noch viele Menschen zum Mahl erwartet werden. Johannes erzählt: „Und obwohl es so viele waren, zerriss doch das Netz nicht“. Es sind viele, die den von Jesus in die Welt hinausgesandten Jüngern glauben, durch ihr Wort, durch ihr Zeugnis, zum Glauben an Jesus kommen. Viele in aller Welt. Und diese Vielen zerren ganz schön am Netz des Glaubens, aber das Netz reißt nicht, es hält. Manchmal machen wir uns Sorgen, ob das Netz des Glaubens an den Auferstandenen auch bei uns hier in Deutschland hält. Nicht einmal ein Drittel der bei uns lebenden Menschen nehmen den Auferstehungsglauben noch für sich in Anspruch. Er ist für viele bedeutungslos geworden und doch ist er das Zentrum unseres Glaubens: „Der Herr ist auferstanden! – „Er ist wahrhaftig auferstanden!“ Das Netz reißt nicht, es hält. Wir machen Erfahrungen von Ermüdung, schwindender Hoffnung, ausbleibenden Missionserfolgen, Streit über Konzepte und Kompetenzen, Entscheidungen für eine bestimmte Seite gegen eine andere u.ä. gehören ebenso zum gegenwärtigen Gemeindealltag, wie Erfahrungen unerwarteter Hilfe, mutmachender Herausforderungen, glaubensstärkender Vielfalt und ökumenischer Einigkeit. Trotzdem, das Netz reißt nicht, es hält. 5. Kommt, haltet das Mahl – sie wussten, dass es der Herr war. „Sie wussten, dass es der Herr war!“ „Als sie nun ans Land stiegen, sahen sie ein Kohlenfeuer und Fische darauf und Brot.“ Jesus hatte das Mahl bereitet und aß mit ihnen Brot und Fische. Niemand hatte etwas dazugetan und geholfen. Sie wussten, dass es der Herr war, obwohl ihn niemand gefragt hatte. Die von den Jüngern gefangenen Fische waren nur die Zugabe. Wie oft meinen wir, dass wir es schaffen müssen Gemeinde zu bauen. Ich weiß nicht, ob wir dabei nicht manchmal unserem Herrn kräftig ins Handwerk pfuschen, weil wir ihn nicht machen lassen. Weil wir vergessen haben, dass er es ist, der Gemeinde baut. „Ohne mich könnt ihr nichts tun“ , hatte Jesus sehr ernst seinen Jüngern gesagt. Was wir können und tun ist nur Zugabe. Wir dürfen ihn machen lassen und hoffen und glauben, dass er es tut. Glaube wächst, weil Gott durch sein Wort zu uns spricht, weil er zu unserem Herzen und in unser Gewissen hineinspricht. Unsere Aufgabe ist: „Kommt, haltet das Mahl!“ Wir müssen nicht kochen. Jesus hat das Mahl zubereitet – er hat die Menschen zubereitet, dass sie glauben können. „Kommt haltet das Mahl!“ Dort ist zu finden, was der Mensch braucht: Vergebung seiner Schuld, Heilung seiner Gottesferne, Gottes Nähe und Freundlichkeit. „Kommt haltet das Mahl!“ Wir tun das im Heiligen Abendmahl, das Jesus für uns bereitet hat. Wir tun das aber auch immer wieder, indem wir von Jesus erzählen und andere mit seinem lebendigen Wort stärken und seinem Glauben Nahrung geben, damit dieser wachsen kann und in Jesus festen Halt und Tiefe findet. Amen. Geschrieben in Uncategorized | Keine Kommentare » Hilf dir selbst!21.7.2011 von Werner Otto Sirch.
Predigt Karfreitag 2011 33 Als sie an die Stätte kamen, die da heißt Schädelstätte, kreuzigten sie ihn dort und die Übeltäter mit ihm, einen zur Rechten und einen zur Linken. 34 Jesus aber sprach: Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun! Und sie verteilten seine Kleider und warfen das Los darum. 35 Und das Volk stand da und sah zu. Aber die Oberen spotteten und sprachen: Er hat andern geholfen; er helfe sich selber, ist er der Christus, der Auserwählte Gottes. 36 Es verspotteten ihn auch die Soldaten, traten herzu und brachten ihm Essig 37 und sprachen: Bist du der Juden König, so hilf dir selber! Liebe Gemeindeglieder, 1. Hilf dir selbst „Hilf dir selbst!“ Dreimal hören wir das in der Erzählung des Arztes Lukas, der dabei ist und zusieht, wie ein Mensch einen schrecklichen Tod am Kreuz stirbt. Dreimal: „Hilf dir selbst!“ Menschen die sich schlecht benehmen, die Spott treiben mit einem der Todesqualen leidet und in wenigen Stunden den Tod durch Ersticken erleidet. „Und das Volk stand da und sah zu.“ Steht da und schaut betroffen zu - erbarmungslos, ohne Erbarmen. 2. Zuschauen Zuschauen! Wir kennen das. Gaffer, die sich nicht sattsehen können an einem Unglück. Gaffer, die sich nicht sattsehen können am Grauen, am undenkbaren. Gaffer, die alles ganz genau sehen müssen - die Not anderer. Gaffer die behindern, statt zu helfen. 3. Gerechtigkeit Es gibt keine Gerechtigkeit, sagt sie. Ich sitze am Tisch in ihrer Küche. Sie deutet mit dem Kopf auf ein Bild über der Kommode. Er ist im Krieg geblieben. Vier Monate waren sie verheiratet. Eingezogen, Ostfront, noch einmal Urlaub. Dann kein Lebenszeichen mehr. Ihre Tochter, erzählt sie und weint, ist bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Seit Jahrzehnten ist sie allein. Kaltes Wohnzimmer, warme Küche. Angelaufene Fenster. Kartoffeln auf dem Gasherd. Sie wischt sich die Brille mit der Schürze. Bitter sieht sie aus. Abgeschaffte Hände, abgeschaffte Seele, abgeschafftes Gesicht. Wer hat, der bekommt mehr. Der eine Geld, der andere Sorgen. Sie sagt es nicht ganz so zurückhaltend. Aber bald ist auch das ‘rum. Das ‘rum? Na ja, 71, sagt sie. Hätte ich einen Mann gehabt, dann hätten sie nicht so mit mir umspringen können. Die Soldaten nehmen ihre Lanzen, den zerteilten Rock und gehen in die Kaserne. Sie haben ihren »Job getan«. Jesus ist tot. Ordentliche Arbeit, tausendfach erprobt an Juden, später an Christen. Scheintod ausgeschlossen. Auch das muss jemand tun. Wer redet von Moral? 4. Mit Spott prüfen „Hilf dir selber!“ Da hängt er am Kreuz. Er, der kein Verbrechen begangen hat. Er, der sich um andere sorgt, Müde aufrichtet, Kranke heilt, Tote ins Leben ruft. Er hängt am Kreuz, weil er andere in die Quere kommt, ihre Macht in Frage stellt. Er muss sich mit Spott prüfen lassen: „Er hat andern geholfen; er helfe sich selber, ist er der Christus, der Auserwählte Gottes.“ Durch Schmach und Qual wollen die Oberen des Volkes, die Soldaten und zuletzt einer der mit ihm Gekreuzigten prüfen, ob sein Anspruch, Gottes Sohn zu sein, auch berechtigt ist. Wenn ja, wird Gott ihm helfen. Gott hängt am Kreuz. Von Menschen hingerichtet, gequält und geschlagen. Abgelehnt und gehasst. Von den Oberen denunziert und verspottet. Sie wollen einen anderen Gott. Am liebsten wären sie selbst Gott. Vielleicht ist das der Grund, warum sie so viel Hass und Spott über den Sohn des allmächtigen und lebendigen Gottes ausgießen. Selbst Gott sein wollen. Das ist bis zum heutigen Tage geblieben. Aber Gott möchte, dass wir ihm vertrauen und annehmen, was er für uns auf Golgatha getan hat. Annehmen, dass er für unsere Schuld mit seinem Blut bezahlt hat, damit wir frei und losgekauft sind von der Macht des Bösen. 5. Der Schächer am Kreuz Jesus, der leidende und sterbende Gottessohn nimmt sich, trotz der eigenen Qual und Pein, des Verbrechers neben ihm an und verheißt ihm den Lohn des Gerechten. Ihm, der sich seiner Schuld gestellt hat, der bereit war hinzusehen auf sein Leben und es vor Jesus zu bekennen, ihm nimmt Jesus die Schuld ab, legt sie bei sich aufs Kreuz und spricht ihn ledig und frei – vor Gott gerecht. 6. Wir am Karfreitag 2011 Und der Friede Gottes bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen. Geschrieben in Uncategorized | Keine Kommentare » Den Seinen gibts der Herr im Schlaf21.7.2011 von Werner Otto Sirch.
27.03.2011 Predigt Markus 4, 26-29 Liebe Schwestern und Brüder! 1. Hinführung zum Thema Wir erleben gegenwärtig eine harte Zeit in der Kirche und in der Gesellschaft. Es herrscht ein rauher Wind. Überall ist das Geld knapp geworden, trotz eines neuen „Wirtschaftswunders“ von dem die Wirtschaft und andere Fachleute sprechen. Es müssen Schuldenberge, die schwindelnde Höhen erreicht haben, zurückgezahlt werden. Einige Staaten in Europa stehen am Rand der Staatspleite. Es herrscht bei vielen Angst, dass der Euro zu wertlosem Papier wird. Monatelang streitet Regierung und Opposition über die vom Verfassungsgericht angemahnte Neuberechnung des Hartz IV-Gesetzes – dann haben sie sich geeinigt – und nun doch wieder nicht. Der Bürger fragt sich, ob die Regierung noch handlungsfähig ist, wenn sie Verhandlungen regelmäßig ohne Ergebnis vertagt, bzw. das Ergebnis nicht länger als wenige Stunden hält. In den letzten Tagen kann man hören, dass viele Kommunen an der Grenze ihrer Zahlungsfähigkeit angelangt sind, wegen hoher Sozialausgaben. Unser soziales Miteinander scheint mehr und mehr dem Egoismus Einzelner und den Interessen bestimmter Gruppen gewichen. Die Folge: Reiche werden immer reicher und Arme immer ärmer. Für die Rettung von Banken, die Milliarden verzockt haben, stehen Unsummen bereit, für Kindergärten, Schulen und Universitäten ist das Geld knapp. Und nach dem großen Bankencrash wird munter weitergezockt und so getan als sei nichts gewesen. Der raue Wind ist auch in der Kirche zu spüren. Missbrauch auch bei uns, in der Nachbarschaft. Die Gemeinden werden immer kleiner. Es werden mehr Menschen beerdigt als getauft. Die Kirchenaustrittszahlen halten unvermindert an. Für viele gehört es zum guten Ton nicht mehr in der Kirche zu sein, obwohl sie sich als gläubige Menschen sehen. Längst lassen sich nicht mehr alle jungen und getauften Christen konfirmieren. Nach der Konfirmation ist für die meisten Pause. Wenige bleiben aktiv dabei. Ich mache mir Sorgen und Gedanken, wie aus diesen jungen Menschen gestandene Christen werden, wenn sie nicht zu Bibellesern werden, in den Gottesdienst und in die Gemeinde kommen, wenn sie leben wie die, die nichts vom liebenden Gott gehört haben. 2. Predigttext In diese bedrückende Situation hinein hören wir den heutigen Predigttext. Ein Wort Jesu, aus dem hoffnungsvolle Stimmung klingt, auch wenn er in einem heftigen Kontrast zu unserer Lebenswirklichkeit steht. Er steht geschrieben im Evangelium des Markus im 4. Kapitel: Jesus sprach: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mensch Samen aufs Land wirft 3. Wie von selbst … 4. Wort Gottes – der gute Samen Was bewirkt der Samen, die Predigt? Solche und ähnliche Gedanken beschleichen mich manchmal, weil ich meine es müsste viel passieren, da wir doch einen so wunderbaren Samen in die Herzen der Menschen legen, weil wir doch eine so großartige frohe Botschaft predigen. Und dann träume ich unsere Kirche voll Menschen, sehne mich nach einem Aufbruch, nach einer neuen Ausgießung des Heiligen Geistes. Träume, dass aus den Wenigen die zum Gottesdienst kommen die Vielen werden, die sich nach Gott auszustrecken und von der Sehnsucht nach Gott und seinem Wort ergriffen werden. Fehlt mir die Gelassenheit Gott zuzutrauen, dass er auch diese, unsere Gemeinde nie aus dem Blick verliert, sie wachsen lässt und erhält? Fehlt mir die Gelassenheit Gott zuzutrauen, dass er sich um all die Menschen kümmert die in unserem Land leben und für jeden das bereithält was er braucht? Hat nicht Gott für jeden dieser Menschen seinen Weg? Wir werfen den Samen, das Wort Gottes unter die Leute und Gott lässt es wachsen, so unser heutiger Predigttext. So wie der Gärtner, der Landwirt nicht dem Wachstum nachhelfen kann, indem er an den Pflanzen zieht - er würde die jungen Pflänzchen ja nur ausreißen – so können auch die, die Gottes Wort unter die Leute bringen nicht nachhelfen. Gottes Wort muss in den Herzen der Menschen selbst wachsen und sich einwurzeln. Wir dürfen fest darauf vertrauen, dass Gottes Wort nie leer zurückkommt. Gottes gepredigtes Wort wird Frucht bringen. Wir müssen die Frucht nicht schaffen, und wir müssen auch nicht an den jungen, zarten Glaubenspflänzlein ziehen, damit sie schneller wachsen. Gott schafft die Frucht im Leben derer, die sein Wort hören und in ihrem Herzen bewahren. 5. Im Glauben frei Dr. Martin Luther schrieb einst an seine Frau: „Liebe Katharina, nach einem langen Tag sitze ich bei einem Maß Bier und denke mir, der liebe Gott wird es schon machen!” Dieses kindliche Vertrauen wünsche ich mir auch manchmal: Gott wird es schon machen. Wie oft meine ich, dass wir es sind, die es machen müssen. Fange an mir Sorgen zu machen über die Zukunft der Kirche und die Zukunft unseres Volkes, das so leichtsinnig die Werte die aus dem Glauben kommen wegwirft. Was ich dabei vergesse ist, dass Gott immer der Wirkende ist, ob wir nun rackern oder ruhen. Wir dürfen das tun, was in unseren Kräften steht, gern, gleich und ganz! Und wir können vertrauen, dass Gott tut, was in seiner Macht steht. Der Liederdichter Paul Gerhardt wusste was es heißt zu glauben und nicht zu sorgen ob der Samen wohl aufgehen mag. Voller Vertrauen dichtete er: „Bist du doch nicht Regente, der alles führen soll. Gott sitzt im Regimente und führet alles wohl.“ Dieses Vertrauen macht frei! Es macht nicht lässig, aber gelassen, nicht übermütig, aber mutig, nicht träge, aber tragfähig, nicht ängstlich, aber engagiert. Und so konnte der Beter des 127. Psalms beten: „Wenn der Herr nicht das Haus baut, so arbeiten umsonst, die daran bauen. Wenn der Herr nicht die Stadt behütet, so wacht der Wächter umsonst. Es ist umsonst, dass ihr früh aufsteht und hernach lange sitzt und esset euer Brot mit Sorgen; denn seinen Freunden gibt er es im Schlaf!“ „Den seinen gibt’s der Herr im Schlaf.“ Ich liebe dieses Wort. Da steht nämlich nicht: Den Seinen gibt’s der Herr beim Rumrennen und Betrieb machen. Wir müssen nicht eine Aktion nach der anderen starten und möglichst auf allen Hochzeiten tanzen. Das sollen ruhig die anderen machen, die es viel besser können als wir. Unsere Arbeit ist den Samen auszuwerfen. Gott wird dann das Seine dazutun und Wachstum schenken. Ohne Samen kann nichts wachsen. Darum sind auch Eltern und Großeltern dafür verantwortlich, dass der Same des Wortes Gottes in ihren Kindern eingepflanzt wird. Dass ihre Kinder erfahren und erleben wie christlicher Glaube gelebt wird. Kinder lernen durch das Vorbild ihrer Eltern, nicht durch Druck und Forderungen. Darum dürfen Eltern und Großeltern voll Vertrauen den Kleinen von Jesus erzählen und ihnen den Glauben an den lebendigen und barmherzigen Gott lieb machen, indem sie das leben was sie sagen. Für das Wachstum des Glaubenssamens wird aber Gott sorgen. Wir dürfen darauf vertrauen, dass er das zum Leben erweckt, was wir im Vertrauen auf ihn in unseren Kindern gesät haben. 6. Saat auf Vertrauen Vor 110 Jahren haben die wenigen Menschen, die damals in der Südstadt gewohnt haben mit viel Glauben eine große Kirche, die größte in Fürth, mitten auf den Acker gestellt – unsere St. Paulskirche. Sie haben das im Vertrauen darauf getan, dass Gott segnen wird, was sie begonnen haben. Um die Kirche hat sich im Laufe der Jahre eine große Gemeinde gesammelt. Die größte Gemeinde hier in Fürth. Unzählige Menschen wurden in ihr getauft und konfirmiert, haben an ihrem Altar geheiratet und das heilige Abendmahl gefeiert. Wenn unsere Vorfahren diesen Glauben nicht gehabt hätten, so würde heute vielleicht eine kleine Kirche hier stehen und nicht das schöne, große, helle Gotteshaus. Und so wollen wir im selben Glauben und Vertrauen in diesem Jahr unser neues Gemeindehaus neben das Pfarrhaus bauen, in der Hoffnung, dass es von Ihnen, liebe Gemeinde, mit Leben erfüllt werden wird. Wir wollen glauben und vertrauen, dass über viele Generation, das Zusammenleben in diesem Stadtteil durch das neue Gemeindehaus Segen empfängt. Wir können planen und bauen, aber das Wachstum und Gedeihen in dem neuen Haus und in unserer Gemeinde kann nur Gott schenken. So kann ich eigentlich nur um zweierlei bitten: 7. Die Ernte In meinem Herzen kann ich kaum den Tag der Ernte erwarten. Das ist dann wenn der Landwirt, der Gärtner sagen kann: „Die Mühe hat sich gelohnt, der Herr hat das Wachstum dazu gegeben.“ Auch in unserer St. Pauls-Gemeinde können wir immer wieder Ernte erleben und erfahren, dass Gott zu dem, was wir oft mit zittern und zagen beginnen und tun, seinen Segen gibt. Unsere St. Paulsgemeinde hat mit ihrer wunderbaren Botschaft von der Liebe Gottes zu den Menschen diesem Stadtteil geprägt. Viele, viele Menschen haben erfahren was es heißt in einer Gemeinde Halt und Gebogenheit zu spüren – und was es heißt sich einzubringen für andere, die Nähe, Geborgenheit, Hilfe und die Gewissheit brauchen, dass sie nicht allein sind, egal in welcher Situation sie sich befinden. Das ist Grund genug, um Gott zu danken, dass er es ist der das Wachstum schenkt. Amen.
Geschrieben in Uncategorized | Keine Kommentare » Heute vor 60 Jahren21.7.2011 von Werner Otto Sirch.
29.04.2010 Zum Geburtstag von Gisela hat ihre Lehrerin und Rektorin der Blindenschule in Nürnberg folgenden bewegenden Brief an Cristin und mich geschrieben: Liebe Eheleute Sirch, Ich denke in Liebe und Hochachtung an Gisela und bitte Sie, einen Blumengruß von mir auf ihr Grab zu legen oder zu pflanzen. Danke! Herzliche Grüße und gute Wünsche, auch an die Familie Holger Sirch. PS: Meine Herzkranzgefäse sind nahezu verbraucht. Die Sauerstoffzufuhr zum Herzen beträgt knapp 10%. Ich erlebe jeden Tag als großes Geschenk und muss mich sehr schonen, damit ich “das Glück des Erdenlebens” noch ein bißchen geniesen darf. (EG 451) Geschrieben in Uncategorized | Keine Kommentare » | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||