Da muss sich etwas ändern

09.04.2012 - Ostermontag
Predigt 1. Korinther 15,50-58
in Fürth-St. Paul

Liebe Gemeindeglieder,
liebe Schwestern und Brüder,

gestern haben wir voller Freude die Botschaft von Jesu Auferstehung gehört. Es klingt in uns nach, dass Jesus den Tod überwunden und besiegt hat. Heute sind wir wieder auf dem Weg in den Alltag. Was bedeutet es für mich, dass Jesus dem Tod die Macht genommen hat und es trotzdem Alltag ist, dass überall um uns her gestorben wird – trotzdem gestorben wird. Wo manche unter uns trotzdem die Nähe zum Tod erfahren haben, erleben mussten was es bedeutet einen Menschen durch den Tod zu verlieren.

1. Steine sprechen

Auf dem Weg durch den Friedhof sprechen Steine zu uns. Sie reden deutlich. Jeder Grabstein hat eine eindrückliche Botschaft für uns: „Lebt richtig, lebt sinnvoll, lebt wirklich und ganz, nutzt die Jahre auf der Erde, bevor ihr unter die Erde kommt, schenkt euch Liebe, solange ihr euch habt, schenkt euch Blumen, solange sie der andere noch sehen kann, sagt euch Worte der Verzeihung, solange sie der andere noch hören kann, macht Frieden mit Gott, solange noch Zeit ist.”

Aber auch die Inschriften auf den Grabsteinen sprechen laut: „Hier ruht!” Dann: „Hier ruht in Gott!” Einmal heißt es: „Auf Wiedersehen!” Ein anderes Mal: „Auferstehen!” Da ist ein Stein: „Unsere Clara - verlorenes Glück!” Dort ein Kreuz: „Unser Otto - Lasset die Kindlein zu mir kommen!” Die einen schreiben: „Gekämpft, gehofft und doch verloren!” Andere: „Christus ist mein Leben und Sterben ist mein Gewinn!” Für einen Mann steht über seinem Namen: „Dem Verdienste seine Krone!” Für einen anderen: „Aus Gnaden seid ihr selig geworden!” Auf einem Grabstein das Dante-Wort: „Lass jede Hoffnung fahren.” Und auf einem anderen: „Herr, ich warte auf dein Heil!” Sehr oft kann man lesen: „Unvergessen!” Sehr selten steht: „Herr, nun lässest du deinen Diener in Frieden fahren, denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen!” Und auf vielen modernen Friedhöfen und neueren Grabsteinen steht außer dem Namen und den Lebensdaten kein einziges Wort mehr.

So ist der Friedhof mit seinen Steinen ein Buch mit vielen Blättern, das uns nachdenklich und fragend macht.[1]

Wir denken nach wozu wir gelebt haben. Was von uns bleiben wird. Wie es sein wird, wenn wir die Unausweichlichkeit des Todes an unserem eigenen Leben erfahren. Was wird sein, wenn unser Leben zu Ende gegangen ist, wenn wir nichts „hinüberretten“ können vom „hier“ nach „dort“. Gott hat über den Tod gesiegt, das ist unser Glaube. Trotzdem ist er weiterhin Fakt und bedroht unser Leben. Wann wird die Macht des Todes endgültig Vergangenheit sein?

2. Predigttext

Im 1. Korinterbrief, im 15. Kapitel, schreibt der Apostel Paulus über den Tod und seine Macht, hören wir den Predigttext:

50 Das sage ich aber, liebe Brüder, dass Fleisch und Blut das Reich Gottes nicht ererben können; auch wird das Verwesliche nicht erben die Unverweslichkeit. 51 Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden; 52 und das plötzlich, in einem Augenblick, zur Zeit der letzten Posaune. Denn es wird die Posaune erschallen, und die Toten werden auferstehen unverweslich, und wir werden verwandelt werden. 53 Denn dies Verwesliche muss anziehen die Unverweslichkeit, und dies Sterbliche muss anziehen die Unsterblichkeit. 54 Wenn aber dies Verwesliche anziehen wird die Unverweslichkeit und dies Sterbliche anziehen wird die Unsterblichkeit, dann wird erfüllt werden das Wort, das geschrieben steht (Jesaja 25,8; Hosea 13,14): »Der Tod ist verschlungen vom Sieg. 55 Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel?« 56 Der Stachel des Todes aber ist die Sünde, die Kraft aber der Sünde ist das Gesetz. 57 Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unsern Herrn Jesus Christus! 58 Darum, meine lieben Brüder, seid fest, unerschütterlich und nehmt immer zu in dem Werk des Herrn, weil ihr wisst, dass eure Arbeit nicht vergeblich ist in dem Herrn.

3. Fleisch und Blut können Gottes Reich nicht erben

Paulus sagt es deutlich, dass Fleisch und Blut das Reich Gottes nicht ererben können; auch wird das Verwesliche nicht erben die Unverweslichkeit. Die Ewigkeit ist nicht der Ort, wo wir durch unsere „Auferstehung“ die Wiederherstellung des vom Tode leider zerstörten und abgebrochenen Lebens erwarten dürfen. Die Vergänglichkeit wird nicht die Unvergänglichkeit erben. Für unsere eigene Klarheit in dieser Sache ist das wichtig!

Es geht nach unserem Sterben dort in der Ewigkeit nicht so weiter wie es hier war. Das Auferstehungsleben ist nicht die Fortsetzung des irdischen Daseins in alle Ewigkeit, wo wir in aller Behaglichkeit unsere irdischen Lebensgewohnheiten bewahren können, an denen wir hängen. Für mich wäre es ein schrecklicher Gedanke, wenn wir mit unserem jetzigen Wesen und mit unserem jetzigen Denken in alle Ewigkeit so weitermachen könnten. Unser Ichwesen, das keinen Platz für Mitmenschen hat und schon gar keinen Platz für Gott. Für mich wäre das nicht das ersehnte Paradies, sondern eher die Hölle.

 Da muss sich etwas ändern, in unserem Wesen ändern, hier und heute, damit wir in die Lage kommen, Gottes Reich zu erben. Gottes Reich, wo Gott regiert und „alles in allem“ ist.

4. Plötzlich verwandelt werden

Wir müssen verwandelt werden. So wie man ein neues Kleid über ein altes, zerrissenes und schmutziges Gewand zieht. So wie man früher dem Neugetauften nach seiner Taufe ein sauberes weißes Kleid übergezogen hat, zum Zeichen seiner neuen Geburt.

Gottes Heiliger Geist kann diese Änderung in unserem Wesen schaffen. Er will und kann uns verändern, wenn wir es zulassen. Er kann uns so verändern, dass wir Gotte als unseren Schöpfer anerkennen und ihm vertrauen und seine Nähe und Gegenwart suchen.

51 Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden; 52 und das plötzlich, in einem Augenblick, zur Zeit der letzten Posaune.

Es ist ein Geheimnis. Kein Geheimnis über das man nicht spricht. Es ist ein Geheimnis, das hinaus will zu den anderen. Ein Geheimnis, das geheimnisvoll ist und bleibt, auch wenn man es zu erklären versucht. Alle werden verwandelt werden: die Verstorbenen und die, zu dem Zeitpunkt noch Lebenden. Alle werden in einem Augenblick verwandelt werden, dann, wenn Christus wiederkommt, denn „Fleisch und Blut“, unser alter Mensch, der nach den Regeln und dem Denken der Welt lebt, kann Gottes Reich nicht erben. Es wird die Posaune erschallen, und die Toten werden auferstehen unverweslich, und wir werden verwandelt werden.

5. Das Kleid der Unsterblichkeit

Es gibt keine Wiederherstellung des früheren Leibes, mit dem wir andere Personen identifizieren können. Es gibt keine langsame Entwicklung des alten ich, zu einem vollkommenen neuen. Alle müssen verwandelt werden, wenn die Posaune ertönt. Keiner kann so wie er ist an der Gemeinschaft derer, die durch Christus erlöst sind teilhaben.

53 Denn dies Verwesliche muss anziehen die Unverweslichkeit, und dies Sterbliche muss anziehen die Unsterblichkeit. Wir dürfen schon heute Menschen sein, die ihr fleischliches Wesen Jesus übergeben haben und damit Kinder des Vaters im Himmel geworden sind.

6. Der Tod ist der Sünde Sold

Das Verwesliche, das Sterbliche, hat seine Ursache in der Sünde, die der Stachel des Todes ist. Die Sünde ist das Machtinstrument der Herrschaft und der Macht des Todes. Sünde, so wissen wir aus dem Alten Testament, ist die zum Menschen gehörende Neigung, wie Gott sein zu wollen und zu wissen was gut und böse ist.[2] Das ist Sünde, und das Gesetz ist ihr Helfershelfer, sich selbst an die Stelle Gottes zu setzen und sein ganzes menschliches Denken, Fühlen und Handeln seinem Ideal von Größe und Macht zu unterwerfen. Der Starke, der sich die Macht nimmt und nach seinen Gesetzen herrscht.

Ihr wahres Wesen zeigt die Sünde am Kreuz Jesu: „Bist du der Christus, so zeige deine Macht und steige herab vom Kreuz,“[3] so schreit die Sünde, die vom Gottessohn Machterweise fordert. Ein leidensfähiger, ohnmächtig liebender, auf Macht und Herrschaft verzichtender Mensch provoziert den auf göttliche Allmachtsattribute fixierten Menschen derart, dass er diesen Menschen, Jesus, umbringt – so ist der Tod der Sünde Sold. Und wenn es nach der Sünde des Menschen ginge, würde der Tod zuletzt das ganze Leben beherrschen: der Tod will „alles in allem“ werden.

6. Christus macht dem Tod die Herrschaft streitig

57 Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unsern Herrn Jesus Christus!

In Christus geriet der Tod an Gott selbst, der ihm allerdings die Herrschaft streitig macht., so dass nicht der Tod, sondern Gott „alles in allem“ ist. Das schenkt uns neue Lebensmöglichkeiten:
- Gott nimmt in Christus diejenige Ohnmacht und Schwäche an, die der Mensch so gewaltsam bekämpft und integriert sie ins wahre Menschsein.
- Gott erträgt in Christus die Tränen und Schmerzen, die der Mensch so rigid versteckt und überspielt, und ermöglicht, durch die Fähigkeit zu leiden, ganzheitliches Menschsein.
- Gott bejaht in Christus den Tod und damit die Endlichkeit des Menschen, die der Mensch verzweifelt nicht wahrhaben will, und eröffnet durch die Möglichkeit eines bejahten Lebensendes erfülltes Leben.

7. In Gott sein

Der Glaube an das ewige Leben, den wir durch die Auferstehung Jesu bekennen, ist die Gewissheit, dass mein Leben, das im Tod unwiderruflich zu Ende ist, mit diesem Tod nicht im Nichts, sondern in Gott sein wird.

Bei der Begleitung Sterbender können wir beobachten, dass viele von der Hoffnung auf Rettung bestimmt sind. Das Rettende kann aber nicht irgend etwas völlig beliebiges sein. Durch Jesus, dem Auferstandenen, wird das Leben in alle Ewigkeit gerettet und geheilt werden. Durch ihn wissen wir: Wenn Gott sein wird alles in allem, dann wird das – wie auch immer – die Wirklichkeit der Liebe sein. In dieser Liebe Gottes werden wir in Ewigkeit geborgen sein.

Bei Reiner Maria Rilke lesen wir:
„Wir alle fallen. Diese Hand da fällt. Und sieh dir das andere an: es ist in allen. Und doch ist einer, welcher das Fallen unendlich sanft in seinen Händen hält.“
Amen.



 [1] Das große Axel Kühner Textarchiv Nr. 656

[2] 1. Mose 3,5

[3] Markus 15,32

Dass ich mit den Müden zur rechten Zeit rede

01.04.2012
Predigt Jesaja 50,4-9

4 Gott der HERR hat mir eine Zunge gegeben, wie sie Jünger haben, dass ich wisse,
mit den Müden zu rechter Zeit zu reden. Alle Morgen weckt er mir das Ohr, dass ich
höre, wie Jünger hören. 5 Gott der HERR hat mir das Ohr geöffnet. Und ich bin nicht
ungehorsam und weiche nicht zurück. 6 Ich bot meinen Rücken dar denen, die mich
schlugen, und meine Wangen denen, die mich rauften. Mein Angesicht verbarg ich
nicht vor Schmach und Speichel. 7 Aber Gott der HERR hilft mir, darum werde ich
nicht zuschanden. Darum hab ich mein Angesicht hart gemacht wie einen Kieselstein;
denn ich weiß, dass ich nicht zuschanden werde. 8 Er ist nahe, der mich gerecht
spricht; wer will mit mir rechten? Lasst uns zusammen vortreten! Wer will mein Recht
anfechten? Der komme her zu mir! 9 Siehe, Gott der HERR hilft mir; wer will
mich verdammen? Siehe, sie alle werden wie Kleider zerfallen, die die Motten
fressen.

Liebe Gemeindeglieder,
liebe Schwestern und Brüder,

1. Einer meiner Lieblingsverse

Haben Sie, liebe Schwestern und Brüder, einen Lieblingsvers aus der Bibel? Ein Vers, der
Ihnen wichtig geworden ist, der sie immer wieder begleitet hat? - Ich habe
mehrere. Einer davon ist mein Konfirmationsspruch aus Johannes 8: Jesus spricht:
„Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis,
sondern wird das Licht des Lebens haben.“
Ein Vers, den ich immer wieder in guten, aber
auch in schweren Zeit als Hilfe erfahren und erlebt habe. Auch dann, wenn ich dachte,
dass jetzt die Welt zusammenbricht, weil es so finster geworden ist.

Ein anderer Vers, den ich in meiner Bibel dick mit roter Farbe markiert habe, ist Teil
unseres Predigttextes. Gott der HERR hat mir eine Zunge gegeben, wie sie Jünger
haben, dass ich wisse, mit den Müden zu rechter Zeit zu reden. Alle Morgen
weckt er mir das Ohr, dass ich höre, wie Jünger hören.

Ein Wort, das mir in meinem Amt als Diakon oft ganz nahe gekommen ist. Vor allem dann,
wenn ich Menschen begegnete, die am Ende ihrer Kräfte waren, müde, alt,
enttäuscht, vom Leben und Schwerem gezeichnet. Angehörige, die einen geliebten
Menschen verloren hatten und darunter litten, dass er oder sie nicht mehr da
war; die sich nicht vorstellen konnten, wie es nun weitergehen soll. Menschen,
die sich müde geweint hatten und voller Trauer und Schmerz waren. Und dann
stand das Wort des Propheten Jesaja vor meinen Augen, das mich tröstete und zur
Gewissheit wurde: Gott der HERR hat mir eine Zunge gegeben, […] mit den
Müden zu rechter Zeit zu reden.

 2. Zur rechten Zeit

Reden kann man viel. Ich meine damit nicht die oberflächlichen und unwichtigen Gespräche,
sondern reden aus einem betroffenen und hörenden Herzen. Wir wundern uns, dass
solche Gespräch immer wieder trotzdem aneinander vorbei gehen, den anderen
nicht erreichen. Es sind Gespräche die nicht ankommen, weil wir zur Unzeit
gesprochen haben. Weil wir geredet haben, wo wir besser geschwiegen hätten. Gott der
HERR hat mir eine Zunge gegeben, […] mit den Müden zur rechter Zeit zu reden.
„Zur rechten Zeit reden“, dann wenn Zeit und Stunde ist. Dann, wenn es dran ist, wird heilende
Kraft freisetzt werden.

3. Er weckt mir das Ohr

 Jesaja weiß, er kann nicht reden, ohne dass Gott ihm das Ohr geöffnet hat. Bevor er
redet muss er hören, sonst ist nicht die rechte Zeit. Alle Morgen weckt er mir
das Ohr, dass ich höre, wie Jünger hören.
Jesaja, der Gottesknecht, muss hören
was Menschen sagen und er muss hören, wie Gott darüber denkt. Jesaja vertraut Gottes
Gegenwart und ist dankbar, dass er ihm einen neuen Tag erleben lässt und ihm täglich
das Ohr für sein Reden öffnet. Nicht alle Propheten erleben, dass Gott täglich zu ihnen spricht.

 Wie geht es uns mit dem Gedanken, dass Gott uns am Morgen weckt und uns das Ohr öffnet?
Das Ohr öffnet für sein Handeln an mir, meinen Mitmenschen und seiner Schöpfung. Hören
wir? Nehmen wir uns Zeit und Stille auf Gott zu hören oder geht es uns vielmehr
oft vor allem darum , die eigene Stimme zur Geltung zu bringen und andere zu
übertönen?

 Aber da sind auch noch andere Stimmen. Unsere eigene Stimme am Morgen, wenn wir
kaum Lust verspüren das warme Bett zu verlassen? Wenn es draußen regnet und kalt ist?
Wenn wir einen Tag beginnen, der bestimmt nicht so ist wie wir ihn uns gerne erträumen würden?
Wenn wir einen Tag beginnen voller Sorgen? „…Guten Morgen, liebe Sorgen, seid ihr auch
schon alle da, habt ihr auch so gut geschlafen … ?“

Wie beginnen wir solch einen Tag? Mit freundlichen Worten des Dankes an Gott? Mit einem
fröhlichen Gesicht?

 Des Morgens, wenn du aufstehst,
kannst du dich segnen mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und sagen:

Das walte
Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist! Amen.
So beginnt der Morgensegen Martin Luthers.

Darauf kniend oder stehend das Glaubensbekenntnis und das Vaterunser.
Willst du, so kannst du dies Gebet dazu sprechen:

Ich danke dir, mein himmlischer Vater, durch Jesum Christum, deinen lieben
Sohn, dass du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast, und
bitte dich, du wollest mich diesen Tag auch behüten vor Sünden und allem Übel,
dass dir all mein Tun und Leben gefalle. Denn ich befehle mich, meinen Leib und
Seele und alles in deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, dass der böse
Feind keine Macht an mir finde. Amen.

Alsdann mit Freuden an dein Werk gegangen und etwa ein Lied gesungen oder
was dir deine Andacht eingibt.

 Es ist ein anderer Tag der so beginnt, der die Nähe Gottes sucht und sich so unter
seinen Schutz stellt.
(Luthers Morgensegen finden wir in unserm Gesangbuch unter der Nummer 841.1.)

Alle Morgen weckt er mir das Ohr, dass ich höre, wie Jünger hören.
Gott weckt das Ohr zum Hören. Nicht nur auf die Stimmen dieser Welt, die uns
oft so sehr verwirren und in die Irre führen können. Gott weckt uns das Ohr zum
Hören auf seine Stimme. Es ist die leise Stimme, die wir oft leicht überhören –
manchmal auch überhören wollen – weil sie unbequem ist und uns stört. Wer sich
im überhören der Stimme Gottes übt, wird sie bald nicht mehr hören, diese leise
Stimme, die Gott in uns weckt und oft auch als unser Gewissen bezeichnet wird.

Auf Gottes Stimme hören. Viele wünschen sich diese Begabung, sind aber meist nicht
in der Lage, die Stimme Gottes zu hören. Vielleicht müssen wir heute dieses Hören erst
üben. Die Kunst des Zuhörens will erlernt und geübt sein. Genau zuhören was der
andere meint und ausdrücken will, nicht das was ich gerne hören möchte. Zuhören
lernen, indem ich die Ruhe und Stille suche. Im Gebet hören was Gott sagen
möchte, indem ich mich nicht ablenken lasse durch Äußerlichkeiten, dass ich sie
loslassen kann und so die innere Stimme, Gottes Stimme, hörbar wird.

 4. Die Stimme des Leidenden

 Liebe Gemeinde, lasst uns in unserem Text einen Schritt weitergehen und auf den
Propheten hören , der die Erfahrung macht, dass auch der eng mit Gott
verbundene Mensch ins Leiden geführt werden kann.

Ich bot meinen Rücken dar denen, die
mich schlugen, und meine Wangen denen, die mich rauften. Mein Angesicht
verbarg ich nicht vor Schmach und Speichel.
Aber Gott der HERR
hilft mir, darum werde ich nicht zuschanden.

 Es ist die Stimme des leidenden Propheten, der die Erfahrung macht, dass das Leid
Bestandteil seines Prophetenamtes ist. Er darf gleichzeitig aber auch die Erfahrung
machen, dass das Leid nicht mehr von Gott trennt. So wie man das in der Geschichte
Israels und der Antike geglaubt hatte. Nach diesem Denken gab sich der Knecht
geschlagen und anerkennt die Angriffe, Schläge und Schmähungen als zu Recht und
als Folge seiner Schuld und gibt damit zu, dass Gott sein Gegner ist.

 Der Gottesknecht Jesaja ist dagegen überzeugt, dass Gott ihm Recht gibt, ja dass er
um Gottes Willen leidet.

 Das ist für uns, liebe Gemeinde, oft schwer anzunehmen. Und so glauben viele Christen,
wenn Leid in ihr Leben kommt, dass das Gottes verdiente Strafe ist. Manche
resignieren, und wehren sich nicht mehr gegen ihr Leiden. Andere finden sich
damit ab, haben sich mit ihrem Leiden auseinandergesetzt und festgestellt, dass
sie nicht in Angriff nehmen können, was nicht mehr zu ändern ist.

Darum hab ich mein Angesicht hart gemacht wie einen Kieselstein; denn
ich weiß, dass ich nicht zuschanden werde
. Sie schirmen sich ab, damit
Verletzungen sie nicht mehr treffen können. Es ist Selbstschutz der
Verletzlichen und Schwachen. Es ist die Kraftreserve der Menschen, die
geschlagen und gequält werden. Es ist ihre Genugtuung, den Schmerz nicht zu
zeigen.

 5. Gott der Herr hilft mir

 Er ist nahe, der mich gerecht spricht; wer will mit mir rechten? Lasst uns
zusammen vortreten! Wer will mein Recht anfechten? Der komme her zu mir!
Siehe, Gott der HERR hilft mir; wer will mich verdammen? Siehe, sie alle
werden wie Kleider zerfallen, die die Motten fressen.

 Wir hören einen Menschen in diesen Worten des Jesajatextes. Er hat einiges mitgemacht.
Man hat ihm zugesetzt … Um wen es sich genau handelt, erfahren wir nicht … Wir
haben aber am Beginn der Karwoche Jesus vor Augen; Jeus, den Knecht Gottes auf
dem Weg zum Kreuz. Seine Lage ist bedrängend. Und doch äußert sich da auch eine
große Kraft. Im Leid steht die Zuversicht auf: Gott ist nahe.

 Auch uns kann im Leid diese große Kraft aufscheinen: Wenn es uns
gelingt, auf Gott zu hören. Wenn wir hinsehen auf den Weg Jesu; wenn wir
wahrnehmen was um uns herum geschieht mit unseren Mitmenschen und mit der Welt.
Auch durch sie und mitten in der Welt können wir etwas hören von Gott.

 Wenn wir dem folgen was wir gehört und wahrgenommen haben; wenn wir diesem Weg
folgen, auch wenn er Konflikte und Ärger mit sich bringt. Von Menschen, die dem folgen,
was sie von Gott hören, geht auch heute eine große Kraft aus.

In unserem Leid kann diese große Kraft aufscheinen, wenn wir darauf vertrauen, dass Gott
nahe ist, weil jede Tiefe, in die wir geraten, schon von Gott erreicht und
durchschritten wurde. Amen.

Drinnen und draußen - Abschiedspredigt vom 18.9.2011

Predigt
Markus 3,31-35
Abschiedspredigt

31 Und es kamen seine Mutter und seine Brüder und standen draußen, schickten zu ihm
und ließen ihn rufen.
32 Und das Volk saß um ihn. Und sie sprachen zu ihm: Siehe, deine Mutter und deine
Brüder und deine Schwestern draußen fragen nach dir.
33 Und er antwortete ihnen und sprach: Wer ist meine Mutter und meine Brüder?
34 Und er sah ringsum auf die, die um ihn im Kreise saßen, und sprach: Siehe, das ist

meine Mutter und das sind meine Brüder!
35 Denn wer Gottes Willen tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter.

Liebe Gemeindeglieder,
liebe Gäste und Freunde,
liebe Verwandte,
liebe Schwestern und Brüder in Christus,

 die einen sind drinnen und die anderen sind draußen. So ist
das oft, nicht nur in unserer Geschichte. Einige Verse vor unserem Text erzählt
die Bibel, dass Jesus mit seinen Jüngern in ein Haus ging, um mit ihnen zu
essen. Das Volk aber, begierig ihn zu hören, drängt auch in das Haus. Sie
wollen mehr mit ihm erleben, hören was er zu sagen hat. Es war sensationell,
geradezu aufregend, was in den letzten Tagen geschehen war, wovon sie Zeugen
geworden waren: Die Heilung eines Gelähmten, der Streit mit Schriftgelehrten um
die Frage, ob Jesus ein Gotteslästerer ist, weil er sich anmaßt Sünden zu
vergeben. „Sünden vergeben kann nur Gott allein“, sagen die Schriftgelehrten.
Immer deutlicher wurde die Frage: Wer ist er, dieser Jesus? Maßt er sich etwas
Göttliches an oder wer ist er …? Er, der mit Zöllnern und Sündern isst.
Menschen am Sabbat, dem von Gott geheiligten Tag, heilt. In den Augen der
geistlichen Autoritäten war das nicht nur skandalös, sondern geradezu
gotteslästerlich.

Es hat sich rumgesprochen. Man will es sehen, miterleben,
neue Hoffnung haben. Auch aus der Umgebung kommen viele, die Jesus sehen und
von ihm geheilt werden wollen. Aus ist es mit stiller Beschaulichkeit. Es geht
drunter und drüber. Und Jesus heilt, die von Krankheiten geplagt sind, aber
auch die, die über ihn herfallen, um ihn zu berühren. Ungewöhnliches passiert,
für manchen ist vielleicht auch erschreckend: Wenn unreine Geister Jesus sehen,
fallen sie mit Geschrei vor ihm nieder: „Du bist Gottes Sohn!“ Es war richtig
was los, aufregend, mit diesem Wanderprediger aus Galiläa. Und immer wieder die
Frage: Wer ist er? Ist er der, auf den sie schon so lange sehnsüchtig gewartet
haben? Der Befreier Israels, ist er der Messias, oder einer der obersten
Teufel, wie die Schriftgelehrten und Pharisäer es behaupteten?

Maria, der Mutter Jesu und seinen Brüdern war das, was über
Jesus berichtet wurde, mehr als unangenehm. Es bereitet ihnen Sorgen. Er musste
wohl seinen Verstand verloren haben. Sofort wollten zu ihn, ihn nach Hause
holen, auf ihn aufpassen, ihn vor sich selbst schützen.

Das Volk war nicht aufzuhalten und drängte weiter in das
Haus, in dem Jesus mit seinen Jüngern essen wollte. Das Gedränge war so groß,
dass kein Platz war um zu essen. Die Menschen wollten dort sein, wo Jesus war.
Zu seinen Füßen sitzen, im Kreis um ihn herum auf dem Fußboden, um von ihm die
gute Nachricht zu hören. Sie wollten hören, ihn, der gekommen ist, um allen
Menschen Heil zu verkündigen, das Ende der Entfremdung von Gott. Sie wollen ihn
hören, von ihm angerührt werden, suchten Heilung ihres Lebens.

Wo gehen wir hin, um angerührt zu werden, um Heilung unseres
Lebens zu finden? Welche Wege schlagen wir ein, wo suchen wir?

Es sind aber auch einige drinnen, die rausgehen, angewidert
und wütend: Schriftgelehrte und Pharisäer. Für sie ist Jesus mit dem Teufel im
Bund.

Die einen sind drinnen und die anderen sind draußen. Die
drinnen sind sitzen bei Jesus, hören ihm zu, sind in seiner Nähe, lassen sich
berühren, anrühren – von Jesus, dem Gottessohn. Sie sind da, sind auf dem Weg
der Heilung ihres Lebens. Es ist heute nicht anders. Wer da ist, im
Gottesdienst, dort wo Gottes Lob erklingt, wo gebetet und Gottes Wort gehört
wird, der geht verändert weg. Er wird berührt, angerührt, ist auf dem Weg der
Heilung seines Lebens.

Nichts verlangt Jesus von denen, die im Kreis um ihn sitzen.
Sie müssen nichts tun, keine frommen Leistungen erbringen. Sie sind da! Einfach
nur da! Sitzen zu seinen Füßen! Jesus sieht sie an, zeigt auf sie: „Das sind
meine Brüder und Schwestern“. - Da sein! Drinnen sein – im Kreis bei Jesus.

Manchmal hätte ich mir gewünscht, dass mehr da sind, um sich
berühren, anrühren zu lassen. Gut, ich bin nicht Jesus. Aber ich habe seine
gute Nachricht, die verändert und unser Leben heilt. Unsere Kirche hat 600
Plätze. Wenn jeder Zehnte aus unserer Gemeinde zum Gottesdienst kommt, rücken
wir ein bisschen zusammen und alle haben Platz. Mich dauert es, dass oft so
wenige drinnen sind und so viele draußen.

Und da sind die, die draußen sind und gar nicht reinwollen:
Jesu Mutter und seine Brüder. Sie wollen Jesus in ihren Kreis zurückholen. Sie
wünschen sich, dass Jesus wieder ganz einer der Ihren wird: der Sohn Marias und
der Bruder seiner Geschwister. Das, was Jesus, den Menschen „drinnen“ zum
Gesandten und Heilsbringer, zum Sohn Gottes macht, erscheint den „draußen“
stehenden Angehörigen als „von Sinnen“. In ihren Augen ist er verrückt
geworden.

Maria und den Brüdern Jesu fällt es schwer zu glauben, dass
Jesus wirklich seit seiner Taufe Gottes Sohn ist: Jesus der wahre Mensch,
dessen Mutter jeder kennt und Gottes Sohn, durch Gottes Geist berufen. Seine
Familie kann es nicht akzeptieren, dass er als Glied ihrer Familie zugleich
Gottes Sohn ist. Sie möchten ihn auf den historischen Jesus reduzieren, auf
einen sittlich beispielhaften Menschen, als Vorbild tugendhaften und religiösen
Lebens.

Die draußen sind, sehen in unserer Zeit in Jesus auch oft
nur den reduzierten, historischen Jesus und nicht den Gottessohn. Für sie ist
Jesus der soziale und politische Revolutionär, Helfer der Armen und
Unterdrückten, der Jesus der Bergpredigt. Jesus, der zugleich Mensch und Gottes
Sohn ist, das entspricht vielfach nicht neuzeitlicher Wunschvorstellungen von
ihm. Wir sind ernstlich in der Gefahr, unser Christentum zu einer wundervollen
Philosophie, zu einer starken Soziallehre zu machen - zu nichts weiter sonst.
Jesus will aber der Heiland, unser Retter sein, der uns aus unserer
Gottverlorenheit erlöst und den Riss zwischen Gott und den Menschen heilt.

Es ist eine „verrückte“ Botschaft, die Jesus hat. Eine
Botschaft die weggerückt ist von dem, was Menschen der Welt denken und glauben.
Damals und heute. Es ist eine Botschaft, die eine andere Perspektive hat, einen
anderen Blick auf die Menschen und auf ihr Leben. Eine Perspektive, die Dinge
für möglich hält, die der Welt unmöglich erscheinen. Es ist die Nachricht der
bedingungslosen Liebe Gottes zu den Menschen, die ihn am Ende ans Kreuz bringt.
Eine verrückte Perspektive, dass der, der die Macht im Himmel und auf Erden
hat, für andere am Kreuz stirbt. Sich opfert für die, die ihn anspucken und
misshandeln, die taube Ohren haben für sein Wort der Rettung. Der Welt ist es
eine Torheit, uns aber ist es eine Gotteskraft.

Es war meine Aufgabe und es bleibt meine Lebensaufgabe, den
Blick auf diese verrückte Perspektive anderen zu öffnen und zu zeigen. Dafür
einzustehen, den Samen zu legen und zu bezeugen, dass wir geliebt sind – von
Gott geliebt sind, unverbrüchlich, unverdient – aus Gnade.

Die einen sind drinnen, und die anderen sind draußen. Ich
bin mir da nicht immer sicher, wer drinnen und wer draußen ist. Das wird Gott
am Ende der Tage selbst entscheiden.

Für mich hat drinnen sein und draußen sein, in den Tagen des
Abschieds auch noch eine etwas andere Bedeutung.

Viele Jahre war ich drinnen. Begonnen hat es, nach meiner
Konfirmation vor 50 Jahren, als ich von meinem Konfirmator behutsam, aber
bestimmt, auf die Orgelbank geschoben wurde. Von da an hieß es für mich:
Drinnen sein, dort wo die Entscheidungen fallen, wo überlegt und geplant wird.
Dort, wo die Nöte und die Freuden einer Gemeinde zusammentreffen. Dort, wo die
Gedanken geboren werden, wie es mit einer Gemeinde weitergehen soll, welche
Entscheidungen für ihre Zukunft nötig sind.

In ein paar Tagen, wenn ich mein Büro geräumt habe, gebe ich
meinen Hauptschlüssel ab, dann bin ich draußen – wie alle anderen. Dann komme
ich nirgendwo mehr selbst hinein. – Ein komisches Gefühl, an das ich mich erst
gewöhnen muss. Und doch, es bleibt meine Gemeinde - und ich bin drinnen. Es
bleibt mein Glaube, der mich ganz nah zu Jesu Füßen sitzen lässt, mich zum Zuhörer
macht – und ich bin drinnen. Zuhören auf das, was er zu sagen hat: Im Gebet und
in der täglichen stillen Zeit – bei ihm drinnen zu seinen Füßen sitzen. Meine
Berufung in den hauptamtlichen Dienst endet, nicht aber meine Berufung in die
Nachfolge Jesu. Ich bleibe Diakon auf Lebenszeit – ich bleibe drinnen.

Noch ein paar persönliche Worte.
1967 habe ich das Haus meiner Familie verlassen, um dem
deutlichen Ruf Gottes zu folgen und mich zurüsten zu lassen für den
hauptamtlichen Dienst im Reich Gottes. Es war von Anfang an ein klarer Weg, hin
zu den Menschen, zu Kindern, die nicht mehr in ihren Familien leben konnten, zu
Kranken, die gewaschen und gebadet werden mussten, die Pflege und liebevolle
Zuwendung brauchten. Hin in verschiedene Gemeinden, zum Lob Gottes, hin alten
Menschen, zu Trauernden und Sterbenden, zu Konfirmanden und
Religionsunterricht, zu Paaren, die heiraten wollten.

Ich durfte in all den Jahren und in den verschiedensten
Aufgaben viel dazulernen, oft unter Tränen an mir arbeiten, weil ich nicht so
war, wie ich sein wollte – weil ich versagt hatte. Manches ist gelungen,
manches habe ich versäumt. Von Herzen schmerzt mich, wo ich an anderen schuldig
geworden bin und das lösende Wort nicht gesucht oder gefunden habe. Ich lege es
vor Gott und dieser Gemeinde hin und bitte um Vergebung. Aber ich bin dankbar
für den Weg, den Gott mich geführt hat. Ich bin dankbar für die guten und
schweren Zeiten. Am meisten hat mich der Verlust meiner Gisela getroffen, die
mir, trotz ihrer eigenen Bedürftigkeit, große Stütze und Halt war, weil ich sie
immer mit ihren Gebeten hinter mir wusste.

Ich bin Gott dankbar für Cristin, die mit viel Glauben und
großer Liebe den Weg mit mir weitergeht. Dankbar bin ich für die Gemeinde hier,
die mich vom ersten Tage angenommen und in den dunklen Stunden durchgetragen
hat. Dankbar bin ich für meine Kollegen, ganz besonders für Ute, die mit mir
gemeinsam vor acht Jahren in den Dienst bei St. Paul eingeführt wurde. Dankbar
bin ich für Martin, für seine Ermutigungen und so manches erquickende Gespräch
über unseren Glauben und den Weg unserer Gemeinde. Dankbar bin ich für
Siegfried, dem stillen Diener, hier, in der Kirche, und drüben im Gemeindehaus,
der mir, zusammen mit seiner Familie, immer ein guter Freund und Begleiter war.
Ich kann mit großer Dankbarkeit auf St. Paul zurückblicken und das, was mich
mit Zorn erfüllt, das soll bei Gott, in seiner Vergebung Frieden finden.

Wer Gottes Willen tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter.
So endet der heutige Predigttext und so endet auch meine Predigt. In diesem
Sinne habe ich viele Brüder und Schwestern hier, in dieser Gemeinde, aber auch
an den andern Orten in Bayern gefunden. Wir werden uns wieder im Gottesdienst
sehen und irgendwo sonst über den Weg laufen. Und der Friede Gottes, der höher
ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Du bist ein heiliges Volk

31.7.2011
Predigt 5. Mose 7,6-12

 6 Denn du bist ein heiliges Volk dem HERRN, deinem Gott. Dich hat der HERR, dein Gott, erwählt zum Volk des Eigentums aus allen Völkern, die auf Erden sind. 7 Nicht hat euch der HERR angenommen und euch erwählt, weil ihr größer wäret als alle Völker - denn du bist das kleinste unter allen Völkern -, 8 sondern weil er euch geliebt hat und damit er seinen Eid hielte, den er euren Vätern geschworen hat. Darum hat er euch herausgeführt mit mächtiger Hand und hat dich erlöst von der Knechtschaft, aus der Hand des Pharao, des Königs von Ägypten. 9 So sollst du nun wissen, dass der HERR, dein Gott, allein Gott ist, der treue Gott, der den Bund und die Barmherzigkeit bis ins tausendste Glied hält denen, die ihn lieben und seine Gebote halten, 10 und vergilt ins Angesicht denen, die ihn hassen, und bringt sie um und säumt nicht, zu vergelten ins Angesicht denen, die ihn hassen. 11 So halte nun die Gebote und Gesetze und Rechte, die ich dir heute gebiete, dass du danach tust. 12 Und wenn ihr diese Rechte hört und sie haltet und danach tut, so wird der HERR, dein Gott, auch halten den Bund und die Barmherzigkeit, wie er deinen Vätern geschworen hat.

Liebe Gemeindeglieder,
liebe Schwestern und Brüder,

Botschaften

in diesen Tagen bekomme ich nicht aus dem Kopf, was an dem schwarzen Freitag vor einer Woche in Oslo geschehen ist. Anders Breivik, ein rechtsradikaler, religiöser Fundamentalist, der zuerst im Osloer Regierungsviertel bombt und dabei sieben Menschen tötet, anschließend auf der Ferieninsel Utøya gnadenlos ein Blutbad anrichtet und dabei 69 Menschen, meist Jugendliche, mit sichtbarer Freude erschießt. Sein zynischer Kommentar dazu: „brutal aber es musste sein“. „Brutal, aber es musste sein“, das ist die Botschaft eines Mannes, der sich keiner Schuld bewusst scheint, der nach eigenen Angaben, angeblich nichts anderes wollte als sein Volk und Europa gegen den Islam zu verteidigen.

Ganz anders heute die Botschaft unseres Gottes an uns: „Du bist ein heiliges Volk dem HERRN, deinem Gott. Dich hat der HERR , dein Gott erwählt zum Volk des Eigentums aus allen Völkern, die auf Erden sind.“ Welch ein Kontrast!

Du bist eine heiliges Volk, so spricht Gott zu seinem Volk. Das ist die Sprache Gottes: Israel, sein Volk, ein heiliges Volk. Heilig ist was Gott gehört. Israel gehört Gott. Und wir, die Christen, wem gehören wir? Wie spricht Gott über uns?

Erwählt

Vorhin haben wir im Glaubensbekenntnis bekannt: Ich glaube an die heilige, christliche Kirche, die Gemeinschaft der Heiligen … Wer sind die Heiligen, an die wir glauben? Wer sind diese besonderen Menschen, von denen wir bekennen, dass sie Heilige sind?

Heilig ist, was Gott gehört. Israel gehört Gott, es ist sein Volk, von ihm erwählt und damit ein heiliges Volk.

Liebe Gemeinde, Gott hat auch uns erwählt. Er hat durch Christus seinen Gnadenbund mit uns aufgerichtet. In der Taufe hat er mit uns einen Bund geschlossen, den Taufbund, den Gnadenbund. Durch die Taufe auf den dreieinigen Gott gehören wir zum Volk Gottes, zur Gemeinschaft der Heiligen. Wenn ich von der Kanzel nach unten sehe, dann sehe ich Heilige sitzen, alles Menschen die zu Gott gehören. Hier sitzen Menschen, die durch ihre Taufe Gottes Kind geworden sind, ihm gehören, denen Gott zum Vater geworden ist.

Gottes Volk ist ein heiliges Volk, das Volk, das er erwählt hat. Durch Christus hat Gott auch uns zu seinem Volk erwählt. Wir haben uns das nicht verdient. Es ist Gott, der uns dazu berufen hat Teil seines heiligen Volkes zu sein.

Leid an Israel

Israel, das als Volk zum Eigentum Gottes berufen ist, wurde durch Christen, die sich als Erben des Volk Gottes verstehen, viel Leid angetan. Denn diese „Erben“ meinen, aus ihrer Gotteskindschaft das Recht ableiten zu können, als die wahren Erben des Reiches Gottes, Israel zu verfolgen und ihm böses zu tun. Der Holocaust ist das schrecklichste Beispiel solch christlicher Vermessenheit. Israel ist und bleibt das erwählte Volk Gottes. Wir Christen sind ein eingepfropfter Ast im Stamm des Volkes Gottes und gehören deshalb dazu. Es ist Irrtum zu meinen, dass Israel durch die Ablehnung des Christus seine Erwählung verloren hat, welche dadurch auf das Volk der Christen übergegangen ist. Wie gesagt ein schlimmer Irrtum, der Israel schon viel Leid zugefügt hat.

Erwählung als Verpflichtung

Dass Gott uns als seine Kinder erwählt hat, ist Gottes Liebestat. Gott zeigt uns damit seine Liebe und seine Zuwendung. Diese Erwählung ist aber zugleich auch Verpflichtung. Gott verpflichtet sich seinen Bund mit uns unverbrüchlich zu halten. Sein Vaterherz ist nicht so wankelmütig wie unser Herz. Seine Liebe zu uns gilt für alle Zeit. Diese Verpflichtung, die Gott aus Liebe zu uns eingeht, verlangt Antwort. Unsere Antwort auf diese Liebestat Gottes kann wiederum nur Liebe sein. Liebe zu ihm, zu Gott, und Liebe zu den Menschen. Aber auch unsere Verpflichtung zum Halten der Gebote und die Verpflichtung, sich um unsere Beziehung zu Gott zu kümmern. Den lieben Gott „einen guten Mann“ sein lassen, seinen eigenen Weg gehen und seine Gebote zu ignorieren, das ist nicht der Weg, der Gottes Erwählung und die daraus erwachsende Verpflichtung ernst nimmt.

Und noch was: Erwählung kann nicht Anlass zur Überheblichkeit sein. Wir dürfen nicht meinen, dass wir, als die Erwählten und Heiligen Gottes, etwas besseres sind. Gott hat das erwählt was arm und elend ist, nicht sie Stolzen und Hochmütigen. Es ist nicht unsere Aufgabe anderen den rechten und richtigen Glauben abzusprechen. So wie es auch kein Weg ist, im religiösen Fanatismus andere umzubringen, weil wir meinen eine Beleidigung Gottes rächen zu müssen, oder wie in Oslo geschehen, unser Land gegen Andersgläubige mit dem Schießeisen und einem Massenmord verteidigen zu wollen.

Unsere Verpflichtung als Gottes Kinder weist uns auf das, was arm und elend ist. Unsere Liebe zu ihnen ist der Zeigefinger, der auf unseren Gott hinweist. Liebe und Barmherzigkeit ist das erste und letzte Wort unseres Gottes.

Das haben die Menschen in Oslo und in ganz Norwegen begriffen: Das Zusammenstehen der Menschen, die Nähe zu einander, die oft genug in ein gemeinsames Gebet mündet, das ist die heilende Kraft, in solch schrecklicher Stunde und den darauffolgenden Tagen und Wochen der Trauer. 100.000 Menschen sind mit Rosen in Händen zusammengekommen um gemeinsam zu weinen und zu trauern um ihre Lieben. Sie haben sich Nähe und die Gemeinschaft der Trauernden geschenkt. Durch diese Gemeinschaft wissen sich die Menschen verbunden in ihrem Volk, im streben nach Freiheit und Demokratie und gegen Hass und Rache.

Gottes Volk hat die Kraft in solch unverständlichen und nicht begreifbaren Ereignissen anders reagieren als mit Hass und Rache. Der Hass vergiftet die Seele und Rache schafft nur neue Tränen, die nie enden, weil Rache nach Rache ruft.

Gottes Berufung

Gott hat uns nicht nur zu seinem heiligen Volk berufen, sondern auch dazu, dass wir unseren Feind lieben. Die Rache dürfen wir IHM überlassen. Das oft falsch verstandene „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ ist keine Aufforderung, die Dinge in die Hand zu nehmen und dem Täter das Gleiche zu tun. Es ist eine Begrenzung, die uns Jesus mit deutlichen Worten auslegt: „Ihr habt gehört, daß gesagt ist (2. Mose 21,24): »Auge um Auge, Zahn um Zahn.« Ich aber sage euch, daß ihr nicht widerstreben sollt dem Übel, sondern: wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar. Liebt eure Feinde, segnet, die euch fluchen, tut wohl denen, die euch hassen, und bittet für die, die euch beleidigen und verfolgen« damit ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel. Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.[1]

Noch ist in Norwegen nicht die Zeit des Vergebens. Jetzt ist die Zeit des Trauerns, Zeit der Wut auf den „Verrückten“ und auf Gott, der so etwas zugelassen hat. Es ist die Zeit um zu versuchen zu verstehen, was nicht verstanden werden kann.

Die Zeit zur Vergebung wird kommen. Es wird ein harter Weg sein, ein Weg mit vielen Tränen. Der Glaube, dass Gott seinen Weg auch mit christlichen Fundamentalisten, Rechtsradikalen und Massenmördern geht, wird stark machen. Das Wissen, dass er auch mit solchen Menschen zum Ziel kommt, kann ihm die Rache überlassen.

Wenn Anders Breivik aufwacht

Ich mache mir Gedanken was sein wird, wenn Anders Breivik aus seinem Wahn aufwacht und zu begreifen beginnt, was er an jenem für Norwegen so schwarzen Freitag angerichtet hat. Was wird sein, wenn er sich seiner Schuld bewusst wird? Wenn ihm bewusst wird, dass er das nicht mehr wiedergutmachen kann. Dann wird er Menschen brauchen, die ihm zur Seite sind, damit ihn das nicht umbringt, was er so vielen anderen angetan hat. Er wird die Liebe Gottes brauchen, um wie Kain weiterleben zu können.

Liebe und Barmherzigkeit ist das erste und das letzte Wort Gottes. Amen.



 

[1] Mt 5, 38-39.44b-45

Alles hat seine Zeit - Gedanken zum Ruhestand

Ein Lebensabschnitt geht zu Ende – ein neuer beginnt. Mit dem Monat September ist zu Ende, was am 1. Oktober 1967 mit einem Praktikum im Evangelischen Kinderheim in Augsburg begann. Kurz zuvor war ich als „Anwärter“ in die Rummelsberger Brüderschaft eingetreten. Dann, nach fast sechsjähriger Ausbildung, mein erster Dienst als Diakon in Buckenhof bei Erlangen - wieder als Erzieher in einem Kinderheim. Mein weiterer Berufsweg führte mich in die Gemeindearbeit und Kirchenmusik nach Lohr a. Main und Augsburg. Es folgte ein kurzer Ausflug in die Diakonie zum Hasenbergl in München, anschließend als Gemeindeseelsorger in das Diakoniedorf Herzogsägmühle in Peiting. Seit September 2003 bin Gemeindediakon hier St. Paul in Fürth. So schließt meine „Rundreise“ durch Bayern wieder in Mittelfranken. Wohin mich die weiteren Wege führen werden, wo ich zusammen mit meiner Ehefrau Cristin meinen Ruhestand verbringen werde, ist noch offen und hängt von den beruflichen Möglichkeiten meiner Frau ab.

Wenn ich in Gedanken die Zeit hier in St. Paul an mir vorüberziehen lasse, dann begleiten mich neben vielem anderen drei Bilder, die sich in meine Seele eingebrannt haben.

Das erste Bild führt zum Vorstellungsgespräch beim damaligen 1. Pfarrer von St. Paul Wolfgang Bruder. Auf meine Frage, wie die Gemeinde ist, die mich erwartet, sprach er zwei Worte: „Total zerstritten“. Ich durfte später erleben, was er damit meinte.

Aber wenig später – und damit bin ich bei meinem zweiten Bild – war dieser denkwürdige Abend im Martin-Luther-Heim, bei der Gemeindeversammlung der Jungen Gemeinde (JG), wo viele Tränen flossen über all den Streit und die Auseinandersetzungen der vergangenen Jahre. An diesem Abend fühlte ich den Geist Gottes in unserer Gemeinde wehen und es kam tatsächlich zu einem anderen Miteinander der Gemeinde. Dank sei Gott!

 Das dritte Bild ist der Verlust meiner Gisela. Die schlimme Zeit nach ihrer Herzoperation mit all den Komplikationen, das Wunder ihrer Genesung und dann doch ihr unerwarteter und schneller Tod. Ich habe lange gebraucht, bis ich dieses schreckliche Jahr 2008 einigermaßen verdauen und mich erholen konnte. Viel geholfen haben mir dabei meine jetzige Ehefrau Cristin und meine beiden Kollegen Ute Lehnes-de Fallois und Martin Adel – und Sie, liebe Gemeindeglieder von St. Paul, die mich mit ihren Gebeten durch diese schwere Zeit und danach hindurchgetragen haben. Ich bin von Herzen dankbar dafür!

Nun geht meine Zeit in St. Paul zu Ende. Ich denke auch an die vielen schönen Gottesdienste, die ich feiern durfte, an die vielen Gespräche mit alten Menschen und Trauernden, an die jungen Menschen, die ich auf dem ‚Weg zu ihrer Konfirmation begleiten konnte. Es sind gute Erinnerungen. Ich bitte um Verzeihung wo ich etwas schuldig geblieben bin und Erwartungen nicht erfüllen konnte. Besonders bedaure ich, dass ich nicht mehr während meiner Dienstzeit die Einweihung des neuen Gemeindehauses miterleben kann – vielleicht aber die Fertigstellung des Rohbaus. Gott möge unsere Gemeinde segnen, den Kirchenvorstand und alle, die für sie Verantwortung tragen – auch meinen Nachfolger, der im Oktober seinen Dienst beginnen wird.
Gott befohlen Ihr Diakon Werner Otto Sirch

Die Wüste weint

Ansprache zum Beichtgottesdienst vor der Konfirmation 2011

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden,
liebe Eltern und Angehörige unserer Konfirmandinnen und Konfirmanden
liebe Gäste,
liebe Gemeinde,

eine alte Geschichte aus Nordafrika erzählt von einem Beduinen, der sich immer wieder der Länge nach auf den Boden legt und sein Ohr in den Wüstensand drückt. Stundenlang horcht er in die Erde hinein. Verwundert fragt ihn ein Missionar: „Was machst du da eigentlich auf der Erde?” Der Beduine erhebt sich und antwortet: „Freund, ich horche, wie die Wüste weint, sie möchte so gerne ein Garten sein!”

Wenn wir, wie der Beduine, stille werden, unsere Ohren auftun, nach innen richten, dann können auch wir die Wüste weinen hören. Die Wüste in uns, weil wir ein blühender Garten sein möchten. Die Wüste der Einsamkeit in uns weint, weil wir so gerne ein Garten der Begegnung sein möchten. Die Wüste der Ungeduld weint, weil sie so gerne ein Ort der Ruhe und der Langmut sein möchte. Die Wüste aus Verzweiflung weint, sie möchte so gerne ein Garten der Hoffnung sein. Die Wüste der Schuld weint, sie möchte so gerne ein Garten der Vergebung sein. Die Wüste des Sterbens weint, sie möchte so gerne ein Garten des neuen Lebens sein.

Wenn wir mutig sind, uns trauen hinzuschauen und hinzuhören, dann können wir viel Wüste in uns entdecken. Zeiten, wo wir kein blühender Garten sind, oft nur mit uns selbst beschäftigt. Zeiten, in denen uns nur wenig zu gelingen scheint. Zeiten in denen wir uns innerlich ausgetrocknet fühlen. Diese Wüstenzeiten ängstigen und blockieren uns. Wir leiden, spüren das Trostlose, das Unfruchtbare in uns. Eigentlich möchten wir doch ganz anders sein: Ein bunter blühender Garten, an dem wir und andere sich erfreuen können. Ein fruchtbarer Garten, so wie ihn sein Schöpfer gedacht und wunderbar gemacht hat. Er hat ihn mit so vielen Gaben und Begabungen ausgestattet.

Liebe Konfirmandinnen und liebe Konfirmanden, liebe Eltern und Paten, liebe Gäste und Gemeindeglieder, ihr seid solch ein wunderbarer, von Gott erdachter Garten. Nein, bestimmt keine Wüste. Ihr habt Begabungen und Fähigkeiten mitbekommen, mit denen ihr wuchern dürft. Und ich denke, dass in euch noch viel mehr an Wunderbarem schlummert, verborgen, unerkannt, jetzt noch gar nicht zu sehen. Vieles, das sich in den nächsten Jahren noch entwickeln wird. Wunderbar seid ihr, von Gott erdacht und gemacht.

Da ist aber auch Wüste in uns, das, was Leben in Gefahr bringt, das, was unser Leben oft so fruchtlos und freudlos macht. Wüste, die uns innerlich verbrennt und vertrocknen lässt und vom Leben wegbringt. Wir fühlen das, es macht uns unruhig und unglücklich, denn eigentlich sehnen wir uns danach ein blühender Garten zu sein, in dem es wächst und gedeiht. Ein blühender Garten, der uns Freude schenkt, der uns die Erfahrung machen lässt, geliebt und angenommen zu sein.

Und so sind wir auf der Suche. Oft ganz unbewusst. Wir suchen, den blühenden Garten: die Ruhe, den Frieden, die Freude, die Anerkennung, das Angenommensein. Kurz gesagt: Das, was meinem Leben Halt und Glück schenkt. Aber wo sollen wir suchen? Es gibt so viele Angebote, die uns locken, die ihre Hände nach uns ausstrecken. - Viele geben auf, weil sie nicht finden, leben so weiter – unglücklich, mit der großer Sehnsucht im Herzen nach dem, den wir Vater nennen dürfen – den Gott mit den vielen Namen. Den Gott, den wir im Konfirmandenunterricht immer wieder miteinander gesucht haben: den Gott der Barmherzigkeit, den liebenden, geduldigen, vergebenden Gott. Den Gott der uns bei unserem Namen gerufen hat und dessen Kind wir durch die Taufe geworden sind. Es ist der Gott, der unsere Lebens-Wüste mit neuem Leben erfüllen kann. Er, der Liebhaber des Lebens, der uns dazu verhelfen will, dass wir leben, richtig leben. Der Gott, der nicht will, dass sich die Wüste in uns ausbreitet und bestimmend wird.

Dieser barmherzige, liebende, geduldige und vergebende Gott lädt uns heute zu sich ein: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken“. Bei ihm dürfen wir die Wüste in uns lassen, damit Fruchtbares wachsen kann.

Wenn es in der Wüste regnet, dann wird daraus ein grünender und blühender Garten. Und so will das, was wir nachher in der Beichte und im Abendmahl mit einander tun, eine Einladung Gottes sein – ein warmer Regenguss in der Wüste. Wasser für eine verdurstende Seele. „Ich will heute bei dir einkehren“, sagt Jesus zum Zöllner Zachäus. Er macht ihm keine Vorwürfe, lehnt ihn nicht ab, trotz allem was er in seinem Leben falsch gemacht und verbrochen hat. Jesus lädt sich bei ihm ein, kommt ihm, dem Sünder, nahe.

Heute lädt sich Jesus auch bei uns ein. In der Beichte und im Heiligen Abendmahl will er bei uns einkehren, damit wir Vergebung erfahren. Wir dürfen das loslassen was uns belastet und quält. Wir dürfen neu anfangen – mit ihm.

„Freund, ich horche, wie die Wüste weint, sie möchte so gerne ein Garten sein!” das war die Antwort des Beduinen. Hören wir doch die Tränen der Wüste in uns – sie möchte so gerne ein Garten sein. Amen.

ES ist der Herr

Predigt am Sonntag Quasimodogeniti
1. Mai 2011

Johannes 21, 1-14

Liebe Gemeindeglieder,
liebe Schwestern und Brüder,

1. In dieser Nacht fingen sie nichts

„In dieser Nacht fingen sie nichts!“ Petrus und einige der Jünger waren nicht in Jerusalem geblieben wie die anderen Jünger, sondern zurück in ihre Heimat gegangen, an den See Tiberias. Dort gingen sie wieder ihrem Beruf als Fischer nach, nachdem die Geschichte mit Jesus vorüber war. Jesus gekreuzigt, gestorben, begraben. Petrus erinnert sich immer wieder daran, wie ihn die Frauen erschreckten. Sie hatten eigenartige Geschichten erzählt, dass das Grab leer sei und ihnen Jesus begegnet war. Schnell war er zum Grab gelaufen und welch ein Schreck: Es war leer. Warum, weshalb, wie konnte das sein – Jesus war doch tot, richtig tot. Die Gedanken drehten sich in seinem Kopf – er konnte nicht verstehen.

Aber Fische fangen, das konnte er noch, das war doch sein Beruf. Und dann das: Die ganze Nacht war er mit den anderen draußen auf dem See und sie hatten keinen einzigen Fisch gefangen. Es erinnerte ihn an damals, als ihm Jesus zum ersten Mal begegnet war. Da war er auch die ganze Nacht auf dem See und hatte nichts gefangen. Die Erinnerung daran schmerzte Petrus. Wenn Jesus jetzt hier wäre, dann könnte es wieder so sein wie damals, als sie, weil ER es gesagt hatte, am helllichten Tag nochmal hinausfuhren, obwohl jeder Fischer weiß: kein Fisch geht da ins Netz. Aber sie fingen so viele Fische, dass die Netze zerrissen. Ja, Jesus müsste da sein. Aber das ist vorbei. Endgültig vorbei – Jesus ist tot und sein Leichnam geklaut oder sonst was.

Hören wir die Geschichte, die unser Predigttext erzählt. Er steht bei Johannes im 21. Kapitel:

2. Text

Jesus offenbarte sich abermals den Jüngern am See Tiberias. Er offenbarte sich aber so: 2 Es waren beieinander Simon Petrus und Thomas, der Zwilling genannt wird, und Nathanael aus Kana in Galiläa und die Söhne des Zebedäus und zwei andere seiner Jünger. 3 Spricht Simon Petrus zu ihnen: Ich will fischen gehen. Sie sprechen zu ihm: So wollen wir mit dir gehen. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot, und in dieser Nacht fingen sie nichts. 4 Als es aber schon Morgen war, stand Jesus am Ufer, aber die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war. 5 Spricht Jesus zu ihnen: Kinder, habt ihr nichts zu essen? Sie antworteten ihm: Nein. 6 Er aber sprach zu ihnen: Werft das Netz aus zur Rechten des Bootes, so werdet ihr finden. Da warfen sie es aus und konnten’s nicht mehr ziehen wegen der Menge der Fische. 7 Da spricht der Jünger, den Jesus liebhatte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte, dass es der Herr war, gürtete er sich das Obergewand um, denn er war nackt, und warf sich ins Wasser. 8 Die andern Jünger aber kamen mit dem Boot, denn sie waren nicht fern vom Land, nur etwa zweihundert Ellen, und zogen das Netz mit den Fischen. 9 Als sie nun ans Land stiegen, sahen sie ein Kohlenfeuer und Fische darauf und Brot. 10 Spricht Jesus zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr jetzt gefangen habt! 11 Simon Petrus stieg hinein und zog das Netz an Land, voll großer Fische, hundertdreiundfünfzig. Und obwohl es so viele waren, zerriss doch das Netz nicht.
12 Spricht Jesus zu ihnen: Kommt und haltet das Mahl! Niemand aber unter den Jüngern wagte, ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten, dass es der Herr war.
13 Da kommt Jesus und nimmt das Brot und gibt’s ihnen, desgleichen auch die Fische. 14 Das ist nun das dritte Mal, dass Jesus den Jüngern offenbart wurde, nachdem er von den Toten auferstanden war.

2. Habt ihr nichts zu essen?

„Habt ihr nichts zu essen?“ Seltsame Frage des Fremden, der am Ufer steht und sieht, dass sie nichts gefangen haben. Beiläufig und einsilbig ist ihre Antwort, ohne ihn weiter zu beachten: „Nein!“ Sie sind ohne einen einzigen Fisch zurückgekommen. Aber der Fremde lässt sich nicht beirren: „Werft das Netz aus zur Rechten des Bootes, so werdet ihr finden.“ Und es wiederholt sich, was Petrus schon einmal erlebt hat – damals: „Da warfen sie das Netz aus und konnten’s nicht mehr ziehen wegen der Menge der Fische“. Johannes, der Lieblingsjünger Jesu, begreift als erster was hier geschieht und wer der ist, den sie kaum beachtet hatten: „Es ist der Herr!“

3. Es ist der Herr

Liebe Schwestern und Brüder, auch heute ist uns Jesus oft ganz nahe und wir erkennen ihn nicht. Vielleicht sind wir auch zu beiläufig und in gewisser Weise einsilbig. Verwundert und erstaunt denken wir vielleicht an unseren Schutzengel, meinen „Glück gehabt“, können uns nicht erklären was geschehen ist und sprechen vom Zufall. Aber ER war da, er, der Herr!

Und er ist uns nahe in unserem Nächsten, der allein nicht mehr weiterkommt; Menschen an seiner Seite braucht, die sich seiner annehmen. „Es ist der Herr“, der sich erbarmt und nicht nur zuschaut. „Es ist der Herr“, der unsere Hände braucht als seine Hände, der unsere Liebe und unser Erbarmen braucht, als seine Liebe und sein Erbarmen. „Es ist der Herr“, der uns nahe kommt in einem Menschen, an dem wir nichts mehr menschliches und menschenwürdiges erkennen können. Menschen, vor denen wir uns ekeln, Menschen, die voller Bosheit und Gewalt sind, Menschen, betrunken, voller Gier, getrieben von Sucht, gefangen in ihrem Elend. „Es ist der Herr“, der uns in ihnen begegnet.

4. Das Netz reißt nicht, es hält

Als Petrus klar wird, dass es der Herr ist, den er verleugnet hat, ja geschworen hat, ihn nicht zu kennen, da hält ihn nichts mehr zurück. Er muss hin zu ihm – und zwar so schnell als möglich. Es brennt in seinem Herzen. Er zieht sein faltiges Obergewand an, das umgelegt und mit einem Gürtel zusammengehalten wurde, denn er wollte nicht mit nacktem Oberkörper vor seinen Herrn treten. Dann springt er ins Wasser, obwohl das Schiff schon fast das Land erreicht hatte und watet so schnell es geht ans Ufer zu Jesus. Dort, bei ihm, ist der Ort für sein schlechtes Gewissen, die Not seiner Seele.

Inzwischen ist auch das Boot mit den anderen Jüngern und dem Netz voller großer Fische an Land. Es waren 153. Sie hatten einen reichen Fang gemacht. Welch ein Überfluss, vielleicht aber auch Zeichen, dass noch viele Menschen zum Mahl erwartet werden. Johannes erzählt: „Und obwohl es so viele waren, zerriss doch das Netz nicht“.

Es sind viele, die den von Jesus in die Welt hinausgesandten Jüngern glauben, durch ihr Wort, durch ihr Zeugnis, zum Glauben an Jesus kommen. Viele in aller Welt. Und diese Vielen zerren ganz schön am Netz des Glaubens, aber das Netz reißt nicht, es hält.

Manchmal machen wir uns Sorgen, ob das Netz des Glaubens an den Auferstandenen auch bei uns hier in Deutschland hält. Nicht einmal ein Drittel der bei uns lebenden Menschen nehmen den Auferstehungsglauben noch für sich in Anspruch. Er ist für viele bedeutungslos geworden und doch ist er das Zentrum unseres Glaubens: „Der Herr ist auferstanden! – „Er ist wahrhaftig auferstanden!“ Das Netz reißt nicht, es hält.

Wir machen Erfahrungen von Ermüdung, schwindender Hoffnung, ausbleibenden Missionserfolgen, Streit über Konzepte und Kompetenzen, Entscheidungen für eine bestimmte Seite gegen eine andere u.ä. gehören ebenso zum gegenwärtigen Gemeindealltag, wie Erfahrungen unerwarteter Hilfe, mutmachender Herausforderungen, glaubensstärkender Vielfalt und ökumenischer Einigkeit.

Trotzdem, das Netz reißt nicht, es hält.

5. Kommt, haltet das Mahl – sie wussten, dass es der Herr war.

„Sie wussten, dass es der Herr war!“ „Als sie nun ans Land stiegen, sahen sie ein Kohlenfeuer und Fische darauf und Brot.“ Jesus hatte das Mahl bereitet und aß mit ihnen Brot und Fische. Niemand hatte etwas dazugetan und geholfen. Sie wussten, dass es der Herr war, obwohl ihn niemand gefragt hatte. Die von den Jüngern gefangenen Fische waren nur die Zugabe.

Wie oft meinen wir, dass wir es schaffen müssen Gemeinde zu bauen. Ich weiß nicht, ob wir dabei nicht manchmal unserem Herrn kräftig ins Handwerk pfuschen, weil wir ihn nicht machen lassen. Weil wir vergessen haben, dass er es ist, der Gemeinde baut. „Ohne mich könnt ihr nichts tun“ , hatte Jesus sehr ernst seinen Jüngern gesagt. Was wir können und tun ist nur Zugabe. Wir dürfen ihn machen lassen und hoffen und glauben, dass er es tut. Glaube wächst, weil Gott durch sein Wort zu uns spricht, weil er zu unserem Herzen und in unser Gewissen hineinspricht. Unsere Aufgabe ist: „Kommt, haltet das Mahl!“ Wir müssen nicht kochen. Jesus hat das Mahl zubereitet – er hat die Menschen zubereitet, dass sie glauben können. „Kommt haltet das Mahl!“ Dort ist zu finden, was der Mensch braucht: Vergebung seiner Schuld, Heilung seiner Gottesferne, Gottes Nähe und Freundlichkeit.

„Kommt haltet das Mahl!“ Wir tun das im Heiligen Abendmahl, das Jesus für uns bereitet hat. Wir tun das aber auch immer wieder, indem wir von Jesus erzählen und andere mit seinem lebendigen Wort stärken und seinem Glauben Nahrung geben, damit dieser wachsen kann und in Jesus festen Halt und Tiefe findet. Amen.

Hilf dir selbst!

Predigt Karfreitag 2011
Lk 23, 33-49

33 Als sie an die Stätte kamen, die da heißt Schädelstätte, kreuzigten sie ihn dort und die Übeltäter mit ihm, einen zur Rechten und einen zur Linken. 34 Jesus aber sprach: Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun! Und sie verteilten seine Kleider und warfen das Los darum. 35 Und das Volk stand da und sah zu. Aber die Oberen spotteten und sprachen: Er hat andern geholfen; er helfe sich selber, ist er der Christus, der Auserwählte Gottes. 36 Es verspotteten ihn auch die Soldaten, traten herzu und brachten ihm Essig 37 und sprachen: Bist du der Juden König, so hilf dir selber!
38 Es war aber über ihm auch eine Aufschrift: Dies ist der Juden König. 39 Aber einer der Übeltäter, die am Kreuz hingen, lästerte ihn und sprach: Bist du nicht der Christus? Hilf dir selbst und uns! 40 Da wies ihn der andere zurecht und sprach: Und du fürchtest dich auch nicht vor Gott, der du doch in gleicher Verdammnis bist? 41 Wir sind es zwar mit Recht, denn wir empfangen, was unsre Taten verdienen; dieser aber hat nichts Unrechtes getan. 42 Und er sprach: Jesus, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst! 43 Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein. 44 Und es war schon um die sechste Stunde, und es kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde, 45 und die Sonne verlor ihren Schein, und der a Vorhang des Tempels riss mitten entzwei. 46 Und Jesus rief laut: Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände! Und als er das gesagt hatte, verschied er. 47 Als aber der Hauptmann sah, was da geschah, pries er Gott und sprach: Fürwahr, dieser ist ein frommer Mensch gewesen! 48 Und als alles Volk, das dabei war und zuschaute, sah, was da geschah, schlugen sie sich an ihre Brust und kehrten wieder um. 49 Es standen aber alle seine Bekannten von ferne, auch die Frauen, die ihm aus Galiläa nachgefolgt waren, und sahen das alles.

Liebe Gemeindeglieder,
liebe Schwestern und Brüder,

1. Hilf dir selbst

„Hilf dir selbst!“ Dreimal hören wir das in der Erzählung des Arztes Lukas, der dabei ist und zusieht, wie ein Mensch einen schrecklichen Tod am Kreuz stirbt. Dreimal: „Hilf dir selbst!“ Menschen die sich schlecht benehmen, die Spott treiben mit einem der Todesqualen leidet und in wenigen Stunden den Tod durch Ersticken erleidet. „Und das Volk stand da und sah zu.“ Steht da und schaut betroffen zu - erbarmungslos, ohne Erbarmen.

2. Zuschauen

Zuschauen! Wir kennen das. Gaffer, die sich nicht sattsehen können an einem Unglück. Gaffer, die sich nicht sattsehen können am Grauen, am undenkbaren. Gaffer, die alles ganz genau sehen müssen - die Not anderer. Gaffer die behindern, statt zu helfen.
Zuschauen! Da ist einer gefallen, hat etwas getan, was man besser nicht tut, hat anderen geschadet. Nun ist er dran – jetzt wird ihm geschadet – gründlich – und da gibt es keinen „Notausgang“ mehr, damit er seine Würde bewahren kann. Zuschauen und laut oder leise denken: „Das kommt davon! Es geschieht ihm recht!“
Zuschauen! Da wird einer angepöbelt, kurz darauf niedergeschlagen und mit den Schuhen getreten, überall hin – auch ins Gesicht, ohne Rücksicht auf seine Gesundheit. Zuschauen und denken: Nichts wie weg!
Zuschauen! Schweigen, wenn eine Kollegin oder ein Kollege gemobbt wird. Leise denken: „Es gibt Leute, die verdienen so was“ – oder: „Bin ich froh, dass ich in Ruhe gelassen werde.“
Zuschauen! Wenn sich Kinder schlecht benehmen und keine Grenzen kennen.
Zuschauen, nur nicht einmischen. Was geht’s mich an?

3. Gerechtigkeit

Es gibt keine Gerechtigkeit, sagt sie. Ich sitze am Tisch in ihrer Küche. Sie deutet mit dem Kopf auf ein Bild über der Kommode. Er ist im Krieg geblieben. Vier Monate waren sie verheiratet. Eingezogen, Ostfront, noch einmal Urlaub. Dann kein Lebenszeichen mehr. Ihre Tochter, erzählt sie und weint, ist bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Seit Jahrzehnten ist sie allein. Kaltes Wohnzimmer, warme Küche. Angelaufene Fenster. Kartoffeln auf dem Gasherd. Sie wischt sich die Brille mit der Schürze.
Es gibt keine Gerechtigkeit mehr. Heute morgen hat sie erfahren, dass man ihr den gepachteten Garten wegnimmt. Nun wird er Firmengelände. Gut, sie tauschen. Aber das ist zu weit weg für mich, am anderen Ende der Stadt. Und noch einmal neu anfangen, mit 71?

Bitter sieht sie aus. Abgeschaffte Hände, abgeschaffte Seele, abgeschafftes Gesicht. Wer hat, der bekommt mehr. Der eine Geld, der andere Sorgen. Sie sagt es nicht ganz so zurückhaltend. Aber bald ist auch das ‘rum. Das ‘rum? Na ja, 71, sagt sie. Hätte ich einen Mann gehabt, dann hätten sie nicht so mit mir umspringen können.
Drei Wochen später bekommt sie auf der Straße einen Schlaganfall, fällt ungeschickt, stirbt noch am Unfallort. Verwandte sind keine da. Zur Beerdigung werden wenige ältere Frauen aus der Nachbarschaft kommen. Die Ansprache wird kurz sein. „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.“ Keiner, der dem Pfarrer ins Wort und der Organistin in den Arm fällt und sagt: So geht das doch nicht.
Und dann eines von den vielen Gräbern auf dem riesigen Friedhof. Nach Jahren verwildert, wenn sich keine mitleidige Hand findet. Es gibt keine Gerechtigkeit auf der Erde, nicht einmal auf dem Friedhof würde sie sagen.

Die Soldaten nehmen ihre Lanzen, den zerteilten Rock und gehen in die Kaserne. Sie haben ihren »Job getan«. Jesus ist tot. Ordentliche Arbeit, tausendfach erprobt an Juden, später an Christen. Scheintod ausgeschlossen. Auch das muss jemand tun. Wer redet von Moral?
Er ist der Zeuge für Gottes Gerechtigkeit. Immer wieder angekündigt: „… wird er, der Gerechte, den Vielen Gerechtigkeit schaffen“ (Jes 53,11; 11,4f), der Mensch Gottes, der Zeuge der Gerechtigkeit Gottes auf Erden.
Nun hängt er, abgeurteilt nach römischem Recht, gefoltert und gedemütigt am Kreuz zwischen zwei Straftätern. Das ist die Gerechtigkeit, die auf Erden gilt. Wer die Macht hat, setzt das Recht. Der Tod hat das Sagen.
Karfreitag – Tag der Gottverlassenheit des Menschen. Karfreitagswetter, sagte man bei uns zu Hause, wenn es trübe, nasskalt war. Wenn es den ganzen Tag über nie richtig Tag wurde. Karfreitag, der Tag, an dem es nicht Tag wird.

4. Mit Spott prüfen

„Hilf dir selber!“ Da hängt er am Kreuz. Er, der kein Verbrechen begangen hat. Er, der sich um andere sorgt, Müde aufrichtet, Kranke heilt, Tote ins Leben ruft. Er hängt am Kreuz, weil er andere in die Quere kommt, ihre Macht in Frage stellt. Er muss sich mit Spott prüfen lassen: „Er hat andern geholfen; er helfe sich selber, ist er der Christus, der Auserwählte Gottes.“ Durch Schmach und Qual wollen die Oberen des Volkes, die Soldaten und zuletzt einer der mit ihm Gekreuzigten prüfen, ob sein Anspruch, Gottes Sohn zu sein, auch berechtigt ist. Wenn ja, wird Gott ihm helfen.

Gott hängt am Kreuz. Von Menschen hingerichtet, gequält und geschlagen. Abgelehnt und gehasst. Von den Oberen denunziert und verspottet. Sie wollen einen anderen Gott. Am liebsten wären sie selbst Gott. Vielleicht ist das der Grund, warum sie so viel Hass und Spott über den Sohn des allmächtigen und lebendigen Gottes ausgießen. Selbst Gott sein wollen. Das ist bis zum heutigen Tage geblieben. Aber Gott möchte, dass wir ihm vertrauen und annehmen, was er für uns auf Golgatha getan hat. Annehmen, dass er für unsere Schuld mit seinem Blut bezahlt hat, damit wir frei und losgekauft sind von der Macht des Bösen.

5. Der Schächer am Kreuz

Einer der mit Jesus gekreuzigt war hat es verstanden, wer da neben ihm am Kreuz hing und was das für ihn bedeutet. Er hat hingeschaut auf das eigene Leben, auf die eigene Schuld, weist den anderen, der Jesus prüfen wollte, wie die Oberen und Soldaten, zurück: „Und du fürchtest dich auch nicht vor Gott, der du doch in gleicher Verdammnis bist? 41 Wir sind es zwar mit Recht, denn wir empfangen, was unsre Taten verdienen; dieser aber hat nichts Unrechtes getan. 42 Und er sprach: Jesus, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst! 43 Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein.“

Jesus, der leidende und sterbende Gottessohn nimmt sich, trotz der eigenen Qual und Pein, des Verbrechers neben ihm an und verheißt ihm den Lohn des Gerechten. Ihm, der sich seiner Schuld gestellt hat, der bereit war hinzusehen auf sein Leben und es vor Jesus zu bekennen, ihm nimmt Jesus die Schuld ab, legt sie bei sich aufs Kreuz und spricht ihn ledig und frei – vor Gott gerecht.

6. Wir am Karfreitag 2011

Ich denke, dass das auch unseres Sehnsucht ist, heute, am Karfreitag 2011, dass der gekreuzigte und auferstandene Herr und Heiland uns freispricht von all dem was in Gottes Augen keinen Bestand hat. Wir werden nachher Zeit haben, jeder für sich, sein Leben anzuschauen – hinzusehen auf das was uns schmerzt, auf das, was wir besser nicht getan hätten, auf das, was uns von Gott und von anderen Menschen trennt. Hinsehen auf das was Heilung und Vergebung braucht. In der Beichte und dem Heiligen Abendmahl, das wir anschließend feiern, bietet uns Gott die Vergebung unserer Schuld und einen Neuanfang an.

Und der Friede Gottes bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Den Seinen gibts der Herr im Schlaf

27.03.2011

Predigt Markus 4, 26-29

Liebe Schwestern und Brüder!

1. Hinführung zum Thema

Wir erleben gegenwärtig eine harte Zeit in der Kirche und in der Gesellschaft. Es herrscht ein rauher Wind. Überall ist das Geld knapp geworden, trotz eines neuen „Wirtschaftswunders“ von dem die Wirtschaft und andere Fachleute sprechen. Es müssen Schuldenberge, die schwindelnde Höhen erreicht haben, zurückgezahlt werden. Einige Staaten in Europa stehen am Rand der Staatspleite. Es herrscht bei vielen Angst, dass der Euro zu wertlosem Papier wird.

Monatelang streitet Regierung und Opposition über die vom Verfassungsgericht angemahnte Neuberechnung des Hartz IV-Gesetzes – dann haben sie sich geeinigt – und nun doch wieder nicht. Der Bürger fragt sich, ob die Regierung noch handlungsfähig ist, wenn sie Verhandlungen regelmäßig ohne Ergebnis vertagt, bzw. das Ergebnis nicht länger als wenige Stunden hält. In den letzten Tagen kann man hören, dass viele Kommunen an der Grenze ihrer Zahlungsfähigkeit angelangt sind, wegen hoher Sozialausgaben.

Unser soziales Miteinander scheint mehr und mehr dem Egoismus Einzelner und den Interessen bestimmter Gruppen gewichen. Die Folge: Reiche werden immer reicher und Arme immer ärmer. Für die Rettung von Banken, die Milliarden verzockt haben, stehen Unsummen bereit, für Kindergärten, Schulen und Universitäten ist das Geld knapp. Und nach dem großen Bankencrash wird munter weitergezockt und so getan als sei nichts gewesen.

Der raue Wind ist auch in der Kirche zu spüren. Missbrauch auch bei uns, in der Nachbarschaft. Die Gemeinden werden immer kleiner. Es werden mehr Menschen beerdigt als getauft. Die Kirchenaustrittszahlen halten unvermindert an. Für viele gehört es zum guten Ton nicht mehr in der Kirche zu sein, obwohl sie sich als gläubige Menschen sehen. Längst lassen sich nicht mehr alle jungen und getauften Christen konfirmieren. Nach der Konfirmation ist für die meisten Pause. Wenige bleiben aktiv dabei. Ich mache mir Sorgen und Gedanken, wie aus diesen jungen Menschen gestandene Christen werden, wenn sie nicht zu Bibellesern werden, in den Gottesdienst und in die Gemeinde kommen, wenn sie leben wie die, die nichts vom liebenden Gott gehört haben.

2. Predigttext

In diese bedrückende Situation hinein hören wir den heutigen Predigttext. Ein Wort Jesu, aus dem hoffnungsvolle Stimmung klingt, auch wenn er in einem heftigen Kontrast zu unserer Lebenswirklichkeit steht. Er steht geschrieben im Evangelium des Markus im 4. Kapitel:

Jesus sprach: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mensch Samen aufs Land wirft
27 und schläft und aufsteht, Nacht und Tag; und der Same geht auf und wächst - er weiß nicht, wie. 28 Denn von selbst bringt die Erde Frucht, zuerst den Halm, danach die Ähre, danach den vollen Weizen in der Ähre. 29 Wenn sie aber die Frucht gebracht hat, so schickt er alsbald die Sichel hin; denn die Ernte ist da.

3. Wie von selbst …

So mancher Landwirt oder Hobbygärtner mag sich über diesen Text ärgern. Samen in die Erde, das war’s. Der Rest geschieht von allein. Jetzt muss man nur noch zusehen, es wächst von allein. Da steht nichts vom Gießen oder vom Düngen, da steht nichts vom Unkraut jäten und beschneiden. Es geschieht von selbst. Aber ist das wirklich so? Wir sehen doch die schwere Arbeit eines Landwirts oder wie der Gärtner den Rücken krumm machen muss, damit er einen guten Ertrag hat. In unserem Gleichnis legt man sich aufs Ohr und lässt es einfach wachsen, lässt den Wachstumskräften freien Lauf – das wird dann schon. Aber geht das wirklich so? Oder fehlt uns dazu nur die nötige Gelassenheit, das Zutrauen, dass es auch ohne uns geht? Was will uns das Gleichnis Jesu sagen, was sollen wir daraus lernen?

4. Wort Gottes – der gute Samen

Ich stelle mir das bildlich vor: Der Prediger auf der Kanzel der St. Paulskirche ist der, der den guten Samen des Wortes Gottes unter die Menschen wirft. Er hat sich vorbereitet, hat Gottes Wort sprechen lassen und jedes Wort gewogen, das er der Gemeinde sagen möchte. Und dann, wie geht es weiter? Was kommt dabei heraus? Wächst der Glaube in den Menschen? Wächst die Gemeinde? Entsteht neuer Hunger nach Gottes Wort? Wird die Gemeinde lebendig und dienstbereit? Steigt das Spendenaufkommen, weil die Hand offener wird für die Nöte anderer und die Aufgaben der Gemeinde?

Was bewirkt der Samen, die Predigt? Solche und ähnliche Gedanken beschleichen mich manchmal, weil ich meine es müsste viel passieren, da wir doch einen so wunderbaren Samen in die Herzen der Menschen legen, weil wir doch eine so großartige frohe Botschaft predigen. Und dann träume ich unsere Kirche voll Menschen, sehne mich nach einem Aufbruch, nach einer neuen Ausgießung des Heiligen Geistes. Träume, dass aus den Wenigen die zum Gottesdienst kommen die Vielen werden, die sich nach Gott auszustrecken und von der Sehnsucht nach Gott und seinem Wort ergriffen werden.

Fehlt mir die Gelassenheit Gott zuzutrauen, dass er auch diese, unsere Gemeinde nie aus dem Blick verliert, sie wachsen lässt und erhält? Fehlt mir die Gelassenheit Gott zuzutrauen, dass er sich um all die Menschen kümmert die in unserem Land leben und für jeden das bereithält was er braucht? Hat nicht Gott für jeden dieser Menschen seinen Weg?

Wir werfen den Samen, das Wort Gottes unter die Leute und Gott lässt es wachsen, so unser heutiger Predigttext. So wie der Gärtner, der Landwirt nicht dem Wachstum nachhelfen kann, indem er an den Pflanzen zieht - er würde die jungen Pflänzchen ja nur ausreißen – so können auch die, die Gottes Wort unter die Leute bringen nicht nachhelfen. Gottes Wort muss in den Herzen der Menschen selbst wachsen und sich einwurzeln. Wir dürfen fest darauf vertrauen, dass Gottes Wort nie leer zurückkommt. Gottes gepredigtes Wort wird Frucht bringen. Wir müssen die Frucht nicht schaffen, und wir müssen auch nicht an den jungen, zarten Glaubenspflänzlein ziehen, damit sie schneller wachsen. Gott schafft die Frucht im Leben derer, die sein Wort hören und in ihrem Herzen bewahren.

5. Im Glauben frei

Dr. Martin Luther schrieb einst an seine Frau: „Liebe Katharina, nach einem langen Tag sitze ich bei einem Maß Bier und denke mir, der liebe Gott wird es schon machen!” Dieses kindliche Vertrauen wünsche ich mir auch manchmal: Gott wird es schon machen.

Wie oft meine ich, dass wir es sind, die es machen müssen. Fange an mir Sorgen zu machen über die Zukunft der Kirche und die Zukunft unseres Volkes, das so leichtsinnig die Werte die aus dem Glauben kommen wegwirft. Was ich dabei vergesse ist, dass Gott immer der Wirkende ist, ob wir nun rackern oder ruhen. Wir dürfen das tun, was in unseren Kräften steht, gern, gleich und ganz! Und wir können vertrauen, dass Gott tut, was in seiner Macht steht.

Der Liederdichter Paul Gerhardt wusste was es heißt zu glauben und nicht zu sorgen ob der Samen wohl aufgehen mag. Voller Vertrauen dichtete er: „Bist du doch nicht Regente, der alles führen soll. Gott sitzt im Regimente und führet alles wohl.“

Dieses Vertrauen macht frei! Es macht nicht lässig, aber gelassen, nicht übermütig, aber mutig, nicht träge, aber tragfähig, nicht ängstlich, aber engagiert. Und so konnte der Beter des 127. Psalms beten: „Wenn der Herr nicht das Haus baut, so arbeiten umsonst, die daran bauen. Wenn der Herr nicht die Stadt behütet, so wacht der Wächter umsonst. Es ist umsonst, dass ihr früh aufsteht und hernach lange sitzt und esset euer Brot mit Sorgen; denn seinen Freunden gibt er es im Schlaf!“ „Den seinen gibt’s der Herr im Schlaf.“ Ich liebe dieses Wort. Da steht nämlich nicht: Den Seinen gibt’s der Herr beim Rumrennen und Betrieb machen. Wir müssen nicht eine Aktion nach der anderen starten und möglichst auf allen Hochzeiten tanzen. Das sollen ruhig die anderen machen, die es viel besser können als wir. Unsere Arbeit ist den Samen auszuwerfen. Gott wird dann das Seine dazutun und Wachstum schenken.

Ohne Samen kann nichts wachsen. Darum sind auch Eltern und Großeltern dafür verantwortlich, dass der Same des Wortes Gottes in ihren Kindern eingepflanzt wird. Dass ihre Kinder erfahren und erleben wie christlicher Glaube gelebt wird. Kinder lernen durch das Vorbild ihrer Eltern, nicht durch Druck und Forderungen. Darum dürfen Eltern und Großeltern voll Vertrauen den Kleinen von Jesus erzählen und ihnen den Glauben an den lebendigen und barmherzigen Gott lieb machen, indem sie das leben was sie sagen. Für das Wachstum des Glaubenssamens wird aber Gott sorgen. Wir dürfen darauf vertrauen, dass er das zum Leben erweckt, was wir im Vertrauen auf ihn in unseren Kindern gesät haben.

6. Saat auf Vertrauen

Vor 110 Jahren haben die wenigen Menschen, die damals in der Südstadt gewohnt haben mit viel Glauben eine große Kirche, die größte in Fürth, mitten auf den Acker gestellt – unsere St. Paulskirche. Sie haben das im Vertrauen darauf getan, dass Gott segnen wird, was sie begonnen haben. Um die Kirche hat sich im Laufe der Jahre eine große Gemeinde gesammelt. Die größte Gemeinde hier in Fürth. Unzählige Menschen wurden in ihr getauft und konfirmiert, haben an ihrem Altar geheiratet und das heilige Abendmahl gefeiert. Wenn unsere Vorfahren diesen Glauben nicht gehabt hätten, so würde heute vielleicht eine kleine Kirche hier stehen und nicht das schöne, große, helle Gotteshaus.

Und so wollen wir im selben Glauben und Vertrauen in diesem Jahr unser neues Gemeindehaus neben das Pfarrhaus bauen, in der Hoffnung, dass es von Ihnen, liebe Gemeinde, mit Leben erfüllt werden wird. Wir wollen glauben und vertrauen, dass über viele Generation, das Zusammenleben in diesem Stadtteil durch das neue Gemeindehaus Segen empfängt. Wir können planen und bauen, aber das Wachstum und Gedeihen in dem neuen Haus und in unserer Gemeinde kann nur Gott schenken. So kann ich eigentlich nur um zweierlei bitten:
Das erste ist, dass Sie, liebe Gemeinde, alles Nachdenken und Planen mit ihren Gebeten begleiten.
Als zweites, dass Sie ihrer Gemeinde auch die nötigen finanziellen Mittel (ca. 200.000 €) mit vielen, vielen kleinen und größeren Spenden zur Verfügung stellen, damit es ein einladendes neues Haus unserer Gemeinde werden kann.

7. Die Ernte

In meinem Herzen kann ich kaum den Tag der Ernte erwarten. Das ist dann wenn der Landwirt, der Gärtner sagen kann: „Die Mühe hat sich gelohnt, der Herr hat das Wachstum dazu gegeben.“ Auch in unserer St. Pauls-Gemeinde können wir immer wieder Ernte erleben und erfahren, dass Gott zu dem, was wir oft mit zittern und zagen beginnen und tun, seinen Segen gibt. Unsere St. Paulsgemeinde hat mit ihrer wunderbaren Botschaft von der Liebe Gottes zu den Menschen diesem Stadtteil geprägt. Viele, viele Menschen haben erfahren was es heißt in einer Gemeinde Halt und Gebogenheit zu spüren – und was es heißt sich einzubringen für andere, die Nähe, Geborgenheit, Hilfe und die Gewissheit brauchen, dass sie nicht allein sind, egal in welcher Situation sie sich befinden. Das ist Grund genug, um Gott zu danken, dass er es ist der das Wachstum schenkt. Amen.

Heute vor 60 Jahren

29.04.2010

Zum Geburtstag von Gisela hat ihre Lehrerin und Rektorin der Blindenschule in Nürnberg folgenden bewegenden Brief an Cristin und mich geschrieben:

Liebe Eheleute Sirch,
heute vor 60 Jahren wurde unsere liebe Gisela geboren. Sie hat ihr Leben im treuen Glauben an Jesus Christus vollendet und ist uns zu Gott in die Ewigkeit vorausgegangen.

Ich denke in Liebe und Hochachtung an Gisela und bitte Sie, einen Blumengruß von mir auf ihr Grab zu legen oder zu pflanzen. Danke!

Herzliche Grüße und gute Wünsche, auch an die Familie Holger Sirch.
Frohe Ostern!
Margarete Tanner

PS: Meine Herzkranzgefäse sind nahezu verbraucht. Die Sauerstoffzufuhr zum Herzen beträgt knapp 10%. Ich erlebe jeden Tag als großes Geschenk und muss mich sehr schonen, damit ich “das Glück des Erdenlebens” noch ein bißchen geniesen darf. (EG 451)